94 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 1
Das weitere Schicksal der Menschen, deren Korrespondenzen in einWiener Museum gelangt sind, ist nicht bekannt. Nicht wenige von ihnensind aber mit größter Wahrscheinlichkeit Opfer der nationalsozialisti-schen Massenvernichtungspolitik geworden. Das gilt insbesondere fürdie Menschen jüdischer Herkunft unter den Verfassern und potentiellenEmpfängern dieser Briefe. Eine Zustellung an die Nachkommen der Ad-ressaten wird in der Praxis wohl nicht mehr möglich sein.
Die zurückgegebenen, großteils noch ungeöffneten Briefe sollennach Auskunft der ukrainischen Botschaft einem Archiv oder einer Ge-denkstätte in der Ukraine übergeben werden und dort in Zukunft derForschung zur Verfügung stehen. Im Fall der Textilien von der Krim istgeplant, sie- zumindest zum größeren Teil dem auf dieser Halbinselbefindlichen Bachtschisaray- Palastmuseum zu überlassen, einem ethno-graphischen Museum, das gleichzeitig als ein kulturelles Zentrum derkrimtatarischen Minderheit fungiert. In Österreich war es mangels ein-schlägiger Experten nicht möglich, einzelne Stücke der Textiliensamm-lung gemäß ihrer Herkunft den Krimtataren oder aber den Karäern zu-zuordnen. Eine solche Unterteilung ist aber auch deshalb schwierig, weilsich die Minderheit der Karäer in ihren Bräuchen und wohl auch in ihrerhandwerklichen Produktion stark an die krimtatarische Minderheit assi-miliert hatte.
Gabriele Anderl
>> Jüdische Volkskunde« im historischen Kontext, Wien, 19.- 20.11.2009
» Drei Trendeln, mit dazugehörigen Gussformen aus Holz. Tempel-weihungsfest verwendet. Jüdisch. N- Öst. Geschenkt v. Moses in Neun-kirchen.<<
So lautet einer von mehreren Inventarbucheinträgen aus der Samm-lung des Österreichischen Museums für Volkskunde, die das gedruckteProgramm zur Konferenz über die jüdische Volkskunde illustrierten. DieTagung mit dem passenden Titel» Ist das jüdisch?> Jüdische Volkskunde<im historischen Kontext<< wurde konzipiert und organisiert vom Institutfür jüdische Geschichte Österreichs in St. Pölten und vom Österreichi-schen Museum für Volkskunde in Wien, wo sie vom 19. bis 20. No-vember 2009 stattfand. Die Veranstalterinnen Barbara Staudinger und