Chronik der Volkskunde
>> Russenbriefe« und Textilien von der Krim:
Die Rückgabe entzogenen Kulturgutes aus österreichischenBundesmuseen an die Republik Ukraine
Im Zuge eines Festaktes in der Säulenhalle des Museums für Völkerkun-de in Wien wurden am 17. September 2009 eine Sammlung von Textiliensowie ein größeres Konvolut persönlicher Briefe, die während des Zwei-ten Weltkriegs auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion entzogenworden waren, an die Republik Ukraine zurückgegeben. Die HalbinselKrim und die Stadt Kamenez Podolski, die die Schauplätze dieser Entzie-hungen von Kulturgut gewesen sind, befinden sich auf dem Territoriumder heutigen Ukraine.
Die beiden Rückgabefälle betreffen das Museum für Völkerkundeund das Technische Museum in Wien sowie indirekt auch das Öster-reichische Museum für Volkskunde. Entsprechende Dossiers wurdenim Zuge der Provenienzforschung in den beiden erstgenannten Häusernerarbeitet, und zwar von Dr. Gabriele Anderl, der Verfasserin dieses Bei-trags, für das Museum für Völkerkunde und von Dr. Oliver Kühschelmfür das Technische Museum Wien.' Beide Dossiers wurden nicht demKunstrückgabe- Beirat vorgelegt, weil die Fälle nicht unter das Kunstrück-gabegesetz in seiner Fassung von 1998 fielen.
Beim Festakt zur Übergabe der Objekte an den Botschafter der Re-publik Ukraine, Volodymyr Yu. Yel'chenko, wurde die Vorgeschichte derbeiden Fälle in mehreren Ansprachen aufgerollt. Zu Wort kamen in
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Ausführliche Darstellungen der beiden Rückgabefälle mit detaillierten Quellen-angaben finden sich in dem von Gabriele Anderl, Christoph Bazil, Eva Blimlinger,Oliver Kühschelm, Monika Mayer, Anita Stelzl- Gallian und Leonhard Weidingerherausgegebenen Sammelband»... wesentlich mehr Fälle als angenommen.<< 10 JahreKommission für Provenienzforschung, Wien- Köln- Weimar 2009. Darin: Gabri-ele Anderl:>> Sichergestellt«< in Simferopol: Die Geschenke des Fritz Manns an dasMuseum für Völkerkunde in Wien, S. 460–477; Oliver Kühschelm:>> Russenbriefe<<- verschleppte Privatkorrespondenz aus der Ukraine, S. 453–459.Betreffend die Minderheit der Karäer oder Karaimen sei auch auf eine Publikationvon Karl- Markus Gauß verwiesen: Die fröhlichen Untergeher von Roana. Unter-wegs zu den Assyrern, Zimbern und Karaimen. Wien 2009( siehe dort das Kapitel:Auf der Suche nach den Karaimen- Eine litauische Reise, S. 115-156).
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