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>> Meine Kinder sind alle aus der Kirche ausgetreten.<<
Zur Geschichte eines Spielzeugaltars
im Österreichischen Museum fur Volkskunde
Eine Schenkung brachte dieses Objekt im Jahr 2007 in das ÖsterreichischeMuseum für Volkskunde, wo es mit der Inventarnummer ÖMV/ 83.427versehen wurde. Der Spielzeugaltar hat eine Höhe von 30,5 cm bei einerBreite von 37,7 cm und einer Tiefe von 20 cm. 40 Teile Zubehör, darun-ter mehrere Monstranzen, Kelche, Blumenstöcke, Weihrauchkessel undHostien aus Metall, fanden mit dem Spielzeugaltar Eingang ins Muse-um. Der Altar ist auf einem Sockel fixiert und dieser steht wiederum aufzwei Stufen, die von drei Seiten zum Altar hochführen. Die Rückwanddes» Allerheiligsten«< ist drehbar, wodurch drei Hintergründe zur Verfü-gung stehen, die sich- ohne liturgischen Bezug¹ – in Farbe und Texturunterscheiden. Je zwei Säulen mit farblich angedeuteter Marmorierungflankieren den Mittelteil des Altars. Ein Kreuz mit vier Strahlen undzwei umlaufende Linien in goldener Farbe am Sockel stellen die schlichteVerzierung dar. Die Ausführung des Altars ist mit weiß als Grundfarbesehr einfach gehalten.
Mit diesem nunmehrigen Museumsobjekt wurde einst tatsächlichgespielt. Zahlreiche Wachsspritzer, Kratzer und weitere Gebrauchsspu-ren sind Zeugnisse vergangener eifriger Benutzung. Der Einbringer,Siegfried M., geboren am 7.8.1930 in Innsbruck, wusste folgendes zudiesem Objekt zu erzählen: Als Zwölfjähriger wurde er während einerScharlachepidemie bei einer befreundeten Familie untergebracht. Im sel-ben Haus wohnte die Familie des späteren Innsbrucker Bischofs Rein-hold Stecher. In einer der beiden Familien existierte dieser Spielzeugal-ter, mit dem die Buben die Hl. Messe nachspielten. Reinhold Stecherwar der Neffe der Gastfamilie von Siegfried M. und zu dieser Zeit schoneingerückt, es gab jedoch weitere Spielgefährten im Haus. Die mit demSpielzeugaltar beschäftigten Knaben waren alle Ministranten und kamennach den Angaben des Objekteinbringers aus aktiv religiösen Familien.
1 Weiß, rot, violett, rosa, grün, schwarz und blau werden zu bestimmten Gelegenhei-ten wie Hoch-, Herren- und Marienfesten in der katholischen Kirche als liturgischeFarben verwendet. Die evangelischen Kirchen teilen diese Farben in vier Haupt- unddrei Nebenfarben ein.
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