Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Nikitsch, Herbert: Populare Religiosität: Traditionen und Transformationen

  
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Populare Religiosität: Traditionen und Transformationen : einige Beispiele aus Niederösterreich
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64 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 1

dem religiösen Handlungsangebot der Heiligenverehrung, das in frühe-rer Frömmigkeitspraxis sehr ernsthaft wahrgenommenen worden ist.

Wenn auch bereits in gegenreformatorischer Zeit der» mittelalterlicheÜberschwang«< der Heiligenverehrung zurückgedrängt wurde und seit-dem vor allem im Prozessionswesen der im Sinne einer» Pietas Austria-ca<< massiv propagierte Marienkult54 dominierte, hat doch das» himmli-sche Hilfspersonal<«< 55 in seiner Vorbild- und Vermittlungsfunktion( letz-tere auch in der offiziellen liturgischen Form der Fürbitten) über langeZeit eine bedeutende Rolle im religiösen Alltag gespielt. Und diese Rollekommt den Heiligengestalten bis auf den heutigen Tag zu,wenn auchoft in recht unspezifischer Weise- verglichen zumindest mit dem seiner-zeit höchst vielfältigen, auf jeweils ganz konkrete Anliegen ausgerichte-ten Patronatswesen. Denn dieses hat sich ja nicht in den alljährlich lokalbzw. überregional gefeierten Kirchen- und Landespatronaten 57 erschöpft,hier sind vor allem die vielen Berufspatronate 58 und in agrarwirtschaft-lich dominierter Ökonomie auch die verschiedenen Viehpatrone und

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Weltkrieg neu errichteten Marienkapelle, deren zweites Patrozinium damals demHl. Sebastian übertragen worden war( http://www.st-stephan.amstetten.at/block3/pfarre euratsfeld.htm, aufgerufen am 29.9.2009).

53 Wolfgang Brückner: Marianischer Kult und Ikonographie im 19. Jahrhundert. In:Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2003, S. 35-63, hier S. 35.

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Anna Coreth: Pietas Austriaca. Österreichische Frömmigkeit im Barock. Wien 1982.55 Scharfe( wie Anm. 20), S. 120.

gg

56 Allgemein dazu Gottfried Korff: Heiligenverehrung in der Gegenwart. EmpirischeUntersuchungen in der Diözese Rottenburg(= Untersuchungen des Ludwig- Uh-land- Instituts der Universität Tübingen, 29). Tübingen 1970.

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Für Niederösterreich in dieser Funktion natürlich Leopold- seit Ende des 15. Jahr-hunderts in Ablösung des Hl. Koloman, dessen Kult von Melk ausgegangen war,Dietmar Assmann: Hl. Florian bitte für uns. Heilige und Selige in Österreich undSüdtirol. Innsbruck, Wien, München 1977, S. 92.

Hier ist die Berufsgruppe der seinerzeit in verschiedenen Gegenden angeworbenenund in Niederösterreich angesiedelten Holz- und Waldarbeiter zu erwähnen, die auf-grund ihrer Herkunft aus verschiedenen( Kron) Ländern nicht nur unterschiedlicherkonfessioneller Ausrichtung waren, sondern auch, soweit katholischen Glaubens,in ihrem>> religiösen Volksbrauch«< recht uneinheitlich geblieben sind und sehr ver-schiedene Heilige als ihren Berufspatron verehrt haben. S. dazu das entsprechendeKapitel in Günter Richter: Der Holzknecht in Niederösterreich. Volkskunde ausdem Lebensraum des Waldes(= Niederösterreichische Volkskunde, 16). Horn 1984,S. 229-246.