Herbert Nikitsch, Populare Religiositat: Traditionen und Transformationen
Verkehrstechnisch gut erschlossene Wallfahrtsorte wie das hier exem-plarisch herangezogene Maria Enzersdorf haben davon abseits gelegenein den Hintergrund treten lassen- diesfalls die Gnadenorte entlang der» Via sacra« ³², jenem» alten Verbindungsweg, den die Wallfahrer, die vonWien nach Mariazell pilgerten, traditionsgemäß einschlugen<< ³³. Damitist auch eine der ausgeprägtesten Sakrallandschaften Niederösterreichsin Vergessenheit geraten, wie sie von den diese» Heilige Straße<< säumen-den Kleindenkmälern gebildet wurde, all den Wegkapellen, Bildstöcken,Holzkreuzen und Steinpfeilern, die vor allem Rast- und Andachtsplätzemarkierten und über deren jeweilige Baugeschichte und genauere Funk-tion wir immerhin in historischem Rückblick Bescheid wissen. 34( Abb. 1)Bislang kaum berücksichtigt worden sind dagegen die vielen gewisserma-Ben inoffiziell( und architektonisch meist unspektakulär) sakralisiertenLandschaften neueren Datums – also jene von( meist in privater Initiativeerrichteten) Flurdenkmälern oder von einem( seine stilistische Prägungwohl in der Regel der Tätigkeit und dem Geschmack lokal ansässigerSchnitzer verdankenden³5) Marterl- bzw. Wegkreuztypus beherrschtenkleinräumigen Landstriche; oder auch die von oft konzentriert auftre-tenden Unfallkreuzen und verschiedenen anderen Zeichen des» Totenge-denkens am Straßenrand«< 36 markierten Reviere religiöser Besinnung.
Diese zuletzt angesprochenen Gedenkstätten zuweilen immerwieder aufgesuchte und entsprechend ausgestaltete und gepflegte Zieleprivaten Andenkens und persönlicher Andacht37( Abb.2)- sind Zeichen
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V. a. Hafnerberg, Thenneberg- Dornau, Klein- Mariazell, Josefsberg und Annaberg.33 Leopold Schmidt: Via sacra. Zur Geschichte der» Heiligen Straße<< zwischen Wienund Mariazell. In: Helene Grünn( Hg.): Via Sacra. Das Wallfahrtsmuseum in Klein-mariazell(= Veröffentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde,15). Wien 1977, S. 73–83. hier S. 73.
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S. etwa Emil Schneeweis: Wegweiser zur Magna Mater Austriae. Denkmale derVolksfrömmigkeit an der Via sacra. In: Grünn( wie Anm. 33), S. 84-94.
Wie das beispielsweise für die Wechselregion im steirisch- niederösterreichischenGrenzgebiet festzustellen ist.
Konrad Köstlin: Totengedenken am Straßenrand. Projektstrategie und Forschungs-design. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Jg. 95/46, 1992, S. 305–320;Christine Aka: Heilige Orte am Straßenrand. Sinnsuche, Krisenritual und neue Spi-ritualität. In: Jahrbuch für Europäische Ethnologie 2006, S. 9-28; dies.: Unfallkreu-ze. Trauerorte am Straßenrand(= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland,109). Münster u. a. 2007.
Aka( wie Anm. 36), v. a. S. 144-168.
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