Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Nikitsch, Herbert: Populare Religiosität: Traditionen und Transformationen

  
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Populare Religiosität: Traditionen und Transformationen : einige Beispiele aus Niederösterreich
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Herbert Nikitsch, Populare Religiositat: Traditionen und Transformationen

füllung eines konkreten Anliegens ziehen, um einen hier erhaltenenGnadenbeistand durch die Darbringung einer Votivgabe kundzutun.²²Diesem> Wallen< brachte die Zäsur der josephinischen Reformen vieler-orts ein vorläufiges, oft auch definitives 23 Ende; und es hat erst ab Mittedes 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der katholischen Restau-ration romantischen Zuschnitts 24 wieder eine Renaissance erfahrenwobei es dann zu einigen bemerkenswerten zeittypischen Veränderun-gen gekommen ist. Diese betrafen allerdings weniger die Destinationenselbst bzw. die aufgesuchten Kultobjekte als vielmehr deren Rezeptionbzw. die Motive ihres Besuches. Im beginnenden touristischen Zeitalterwurde die Wallfahrt auch unter der Perspektive der Erholung, der auchkörperlichen Rekreation gesehen und der Wallfahrtsort nach dem Kri-terium seiner landschaftlichen Attraktivität gewählt. So wurde damalsbeispielsweise Maria Enzersdorf25 durch seine Nähe zur Haupt- undResidenzstadt, seine mit Eröffnung der Südbahn leichte Erreichbarkeitund seine ansprechende Lage im Weingebirge ein beliebtes Ausflugsziel

eine Entwicklung, wie sie etwa Alfred Hoppe, Pfarrer und Verfassereiner sorgfältigen und lückenlosen Zusammenstellung der österreichi-schen Wallfahrtsorte, knapp vor dem Ersten Weltkrieg andeutet:»> DieEisenbahn besorgt den Transport vom Südbahnhofe aus in einer halbenStunde.[...] Massenhaft strömen hier an schönen Sommertagen die Be-sucher zusammen[...]. Freilich sind davon nicht alle fromme Wallfahrer,sondern zum größten Teile Ausflügler, die nur so nebenbei der Mutter-

22 Lenz Kriss- Rettenbeck: Das Votivbild. München 1961, S. 98.23 So, um ein Beispiel zu nennen, die Heilung von Augenkrankheiten versprechendenProzessionen zum seinerzeit prominenten Ottilienheiligtum am Kollmitzberg beiStift Ardagger; s. Heimo Cerny: Die Wallfahrt zur Hl. Ottilia am Kollmitzberg beimStift Ardagger. In: Thomas Aigner, Ralph Andraschek- Holzer( Hg.): AbgekommeneStifte und Klöster in Niederösterreich(= Beiträge zur Kirchengeschichte Niederös-terreichs, 6). St. Pölten 2001, S. 197-211.

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Erinnert sei hier v. a. an Klemens Maria Hofbauer und seinen Kreis; s. Loidl, Franz.Geschichte des Erzbistums Wien. Wien, München 1983, S. 211 f.; Assmann, Diet-mar: Die bedeutendsten Wallfahrtsorte Österreichs und Südtirols(= Österreichi-scher Volkskundeatlas, Kommentar, 6. Lfg., 2. Teil, Bl. 116). Wien 1979, S. 10 f.Diese Wallfahrt ist von den Anfängen( 1730) bis in die Gegenwart ausführlich doku-mentiert von Erika Flemmich:» In Maria Enzersdorf hab ich an Dich gedacht...<<. DasGnadenbild von Maria Enzersdorf» Maria Heil der Kranken«- mit einer Betrach-tung des Ortes im Spiegel der Wallfahrt. 2 Bde. Diss. Univ. Wien, 1994.

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