>>> Vor Ort im Feld<<?
Zur Kritik und Reakzentuierungdes Lokalen als europäisch-ethnologischer Schlüsselkategorie*
Michi Knecht
>> Vor Ort<< und»> im Feld«< sind Metaphern professionellerSelbstverortung, mittels derer Journalistinnen und Repor-ter, Ethnologinnen und Volkskundler ihre Tätigkeiten be-schreiben. Der Artikel skizziert, wie sich Lokalität und dasLokale im Rahmen ethnographischer Feldforschung kon-zipieren lassen, wenn man die Sensibilität für das unmittel-bar sich entwickelnde Ereignis, die das Konzept des>> vorOrt«< konnotiert, mit der spezifischen Relationalität undRekursivität des ethnologischen Feldbegriffs verbindet. Andrei ethnographischen Beispielfeldern und an Hand vondrei analytischen Fragmenten, die praxisanthropologischausgerichtet oder durch die Akteur- Netzwerk- Theorieinspiriert sind, werden Anregungen dazu diskutiert, wiedie Europäische Ethnologie ihre Erforschung des Lokalenunter dem Signum intensivierter Globalisierung empirischwie theoretisch reakzentuieren kann.
Der Begriff>> vor Ort« gehört gegenwärtig eindeutig in den Bereich derNachrichtensprache und nicht in das Gebiet der Wissenschaften. For-schende Volkskundler und die praktizierende Ethnographin gehen»> insFeld<<, während Journalisten, Medienprofis oder Helferinnen und Helferin Katastrophengebieten sich» vor Ort« aufhalten. In der Formulierung>> vor Ort<< klingt Atemlosigkeit an, Präsenz in Reichweite des unmittel-
Dieser Text ist eine bearbeitete und erweiterte Fassung meines Vortrags im Rahmender Insbrucker Bewerbungsgespräche für eine Professur in Europäischer Ethnologie
2008.