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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 4
Hubert Knoblauch: Populäre Religion.
Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft.
Frankfurt, New York: Campus Verlag 2009, 311 Seiten.
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Angezeigt sei ein Beitrag zu einer Thematik, die seit langem in unse-rer Disziplin unter der Bezeichnung» Volksfrömmigkeit« oder( später)» populare Religiosität«< behandelt worden ist. Religion und( als derenindividuell- subjektive Praxis) Religiosität waren ja bereits Thema dersich um 1900 konstituierenden Volkskunde damals vor allem imSinne einer pastoraltheologisch motivierten» religiösen Volkskunde<<und damit einer christlichen Vorstellungen verpflichteten Religionsde-finition, in deren Konsequenz man an zumeist katholisch geprägtenHaltungen und deren überlieferten, mehr- weniger institutionalisiertenÄußerungen des ritualisierten Lebens- und Jahreszyklus interessiertwar. Mit Berücksichtigung eines für jeden empirischen Zugang zu re-ligiösen Phänomenen erforderlichen» methodologischen Atheismus<<( Peter L. Berger) ging im Weiteren nicht nur die Abkehr von theologi-scher oder sonstiger weltanschaulicher Motivation einher, sondern zu-gleich eine Verlagerung des thematischen Skopus: So wird zum einenin heutiger volkskundlicher Religiositätsforschung Religion nicht alsInstanz der Lösung kollektiver und individueller Problemlagen, son-dern als deren Artikulation gesehen; und zum anderen wird auch allden religiösen Äquivalenzen Beachtung geschenkt, wie sie sich nichtnur in( kirchlich- orthodoxe Schranken oft übersteigenden) Mutatio-nen von» religiös Eingelebtem( G. Korff) manifestieren, sondern vorallem in den Transformierungen ehedem institutionalisierter religiöserVorstellungen in individuell geprägte und> privatisierte< Weltansich-ten. In beidem kann angesichts der oft zu beobachtenden Rückgriffeauf das Repertoire historischer Muster und überlieferter Vorgaben re-ligiösen Handelns an die Leistungen und Ergebnisse der traditionellen> Volkskunde des Religiösen angeknüpft werden.
Die vorliegenden religionssoziologischen Überlegungen stammenfreilich aus einem anderen disziplinären Kontext und sind auch ande-ren Erkenntnisinteressen gewidmet. Als Schüler Thomas Luckmannsist Hubert Knoblauch einem an die phänomenologisch orientierte Wis-senssoziologie anknüpfenden sozialkonstruktiven Realismus verpflich-tet, für den generell Wissen als gesellschaftlich geschaffen, strukturiertund vermittelt begriffen wird
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und der im Speziellen Religion weni-