Jahrgang 
114 (2011) / N.S. 65
Seite
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Literatur der Volkskunde

Kurt Luger, Karlheinz Wöhler( Hg.): Kulturelles Erbe und Tourismus.Rituale, Traditionen, Inszenierungen.

Innsbruck: Studienverlag 2010, 416 Seiten, s/ w- Abb.

Nach dem Innsbrucker Bricolage- Zeitschriftenband» Kulturelles Erbe<<( 2005), dem Göttinger Tagungsband» Prädikat Heritage««( 2007), derumfangreichen Vortragssammlung der österreichischen Volkskun-detagung 2007» Erb.gut? Kulturelles Erbe in Wissenschaft und Ge-sellschaft«<( 2010) liegt mit» Kulturelles Erbe und Tourismus«( 2010)nunmehr eine weitere Anthologie zu einem Thema vor, von dem ge-sagt wird, dass es gerade Konjunktur hat oder, moderner ausgedrückt,boomt. Man könnte auch von einem» Hype« sprechen, einem gezieltvon Interessensträgern zur Werbung für bestimmte Ideen und Produk-te lancierten Trubel. Als Verursacher wird oft die Tourismuswirtschaftvermutet, die auf der ständigen Suche nach Alleinstellungsmerkmalenfür touristisch aufzuwertende Regionen das nach Überwindung derModerne wieder attraktive Label» kulturelles Erbe«< liebend gerne ver-wertet. Damit sind wir mitten im Fokus des vorzustellenden Buches.

Das Titelbild des in dunkelbraun gehaltenen Hardcoverbandeszeigt eine Frau, die mit durchgestreckten Händen über die Köpfe an-derer Touristinnen hinweg zu filmen versucht. Nur in dieser uns allenbekannten, anstrengenden Pose kann ihre Kamera die Inszenierung ei-ner tanzenden Trachtengruppe einigermaßen unverdeckt aufzeichnen.Das öffentlich vorgeführte kulturelle Erbe entzieht sich dem Blick derTouristen, wenn die Masse an Interessenten zu groß wird. Mit einerähnlichen Problematik befassen sich auch einige der 25 Beiträge diesesBuches. Sie sind eingegliedert in vier Hauptkapitel, die mit den Über-titeln>> Immaterielles Kulturerbe und touristisches Potential«<,>> AlpineTradition zwischen Praxis und Inszenierung«,» Vermittlung lokalenWissens und kulturelle Identität« und» Traditionelle Formen und Me-thoden als touristische Ressource« die Struktur vorgeben. Jedes dervier Hauptabschnitte erfährt eine eigene kurze Einleitung der Heraus-geber, die den Sinn und die Zusammensetzung der Kapitel erklärenund gleichzeitig eine Klammer über das Gesamtwerk setzen soll. Dadas Autorenfeld sich aus» Praktikern und Wissenschaftlern«,» Touris-tikern<< sowie» Vermittlern des Kulturerbes«( S. 10) zusammensetzt,wohl mit dem Hintergedanken, Theorie und Praxis aneinanderzustel-len, ist diese Verknüpfung auch nötig, wenngleich sie offenbar nicht

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