Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Walz, Markus: »Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«?

  
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»Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«? : Absatzmarketing als Ursache der Krippenverbreitung
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 4

Kühn druckt zwischen 1846 und 1925( neben Soldatenbogen für Jungen)mindestens 110 verschiedene Anziehpuppen. Krippen- Ausschneidebo-gen mischen sich unter solche Bastelangebote; Maßstabsveränderungoder Neuzusammenstellung einzelner Elemente entwickelt sie bei mi-nimalen Herstellungskosten zu» neuen« Produkten weiter. Nur so er-klären sich Angebotsbreiten wie 35 verschiedene Krippen( auf eins biszehn Druckbogen) beim Mainzer Verlag Josef Scholz( 1912).43

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Die Expansion der Krippenfigurenherstellung als Ersatzartikelscheint auch bei den Holzschnitzern im nordböhmischen Grulich/ Krá-liky durch. Ausgangsprodukte sind einfache Spielwaren und Heiligen-figuren. Der lukrative Absatzmarkt für Devotionalien an der örtlichenWallfahrtskirche versiegt durch das Wallfahrtsverbot 1780 die Aus-dehnung der vorhandenen Krippenproduktion mag diese Lücke füllen.Im 19. Jahrhundert werden Grulicher Krippen in ganz Ostmitteleu-ropa abgesetzt( genannt sind Slowakei, Polen und Ungarn); große Ver-lagshäuser verbreiten sie als» Erzgebirgsware«< nach Westeuropa undAmerika oder als» Wiener Krippen«< nach Südosteuropa.44

Neue Produkte, ein neuer Markt- und ein kleiner Artikel läuft mit

Was die Volkskunde als Novationen betrachtet, ergibt sich imMarketing aus der Diversifikation, der Einführung neuer Produkte,die zugleich das Betreten neuer Märkte bedeutet. Guido Lang, seit1881 Alleineigentümer des Familienunternehmens Georg Lang sel.Erben, eröffnet einen manufakturartigen Geschäftszweig, neben derSchnitzerei in Heimarbeit. Im Hause Lang entstehen nun ganzheit-liche Produkte aus Schreiner-, Schnitzer- und Fassmaler- Werkstatt,beispielsweise Altaraufsätze. 1898 wird das Stammhaus aufgestocktfür einen doppelgeschossigen Ausstellungsraum, etwa 1905 erscheintein Katalog zur umfassenden Kircheneinrichtung; unter dem Namen>> Georg Lang sel. Erben Anstalt für kirchliche Kunst« bietet manneben Schnitzkunst und Tischlerprodukten dem» hochwürdigen Kun-

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Manfred Bachmann: Das große Puppenbuch. 6., veränd. Aufl. Leipzig 1991, S.108; Melanie Blank u. a.: Die Frauen. In: Brakensiek( wie Anm. 42), S. 59-85,hier S. 73; Gall( wie Anm. 39), S. 3, 5.

Max Pachel: Kleine Heimatkunde des Gerichtsbezirkes Grulich. Ober- Erlitz1919, S. 30 f.; Karasek, Lanz( wie Anm. 2), S. 167–170.