458 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 4
dung durch Schwefelformen
Drückerinnen und Drücker haben eineLebenserwartung von 30 Jahren – bleibt unbeachtet. Der SonnebergerPapiermaché- Produkte- Export steigt von 18.000( 1826) über 40.000( 1840) auf mehr als 200.000 Zentner pro Jahr( um 1900). 28
Das Produktportfolio des» Spielzeuglandes«< regieren nichtdie Produzenten, sondern Großhändler: Seit 1735 sind europaweitvermarktende Holzspielzeug- Großhändler belegt, die sich zugleich alsSpielzeug- Verleger betätigen; von 1789 bis 1869 haben dreißig Kaufleutedas Handelsmonopol für Sonneberger Erzeugnisse, sie dürfen seit 1817Produkte zurückweisen, für die sie keinen Absatz finden. 29 In denNachbarländern entwickeln sich vergleichbare Unternehmen ohne Mo-nopolstellung. In Waltershausen dehnt Johann Daniel Kestner juniorzwischen 1815 und 1820 seine Warenpalette( von Hemdknöpfen undSchreibtafeln kommend) auf Puppen, Spielfiguren, Papier, Leder, Per-gament, Tabak, Kaffee, Gips, Gummi, Leim, Garn und Batist aus. 1822erhält er eine Konzession zur Pappeherstellung aus»> Papierspänen undMaculatur«<, 1824 beschafft er die ersten Papiermaché- Druckformen.Noch 1833 stehen bei Kestner im Warenwert Knöpfe an erster Stelle,doch nehmen Puppen mehr und mehr vom Geschäftsumfang ein.30
Die Orientierung auf Spiel-, Haushalt- oder Galanteriewarenhänd-ler veranlasst die Großhändler, entsprechend geeignete Produkte in ihrAngebot aufzunehmen, etwa Blechspielzeug, Gesellschaftsspiele, Schie-fertafeln, Griffel, Korbwaren, Glas- und Porzellanwaren. 31 Bei dieserAbrundung der Produktpalette stehen Waren aus anderen Gegendenneben Erzeugnissen aus dem» Spielzeugland«( dort florieren zwischen1835 und 1880 auch der Abbau und die gebrauchsfertige Bearbeitung
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Lehmann( wie Anm. 25), S. 409, 411; Udo Leitner: Spezialisten der Puppenma-cherei. In: Altonaer Museum in Hamburg( wie Anm. 27), S. 11-14, hier S. 12.Volk( wie Anm. 26), S. 41, 43 f.
Thomas Reinecke: Johann Daniel Kestner jun. und die Anfänge der Waltershäu-ser Puppenproduktion. Leipzig: Fachschule für Museologen, Abschlussarbeit,1990, S. 8 f., 13–16 und Anlage( Kopie der Konzessionsurkunde v. 30.1.1822).Jutta Arsenova: Sonneberger Spielfiguren aus Masse des 18. und 19. Jahrhun-derts. In: Spiel- und Krippenfiguren aus dem thüringisch- fränkischen Raum.Beiträge zur Geschichte der Massefiguren. Begleitheft zu den Sonderausstellun-gen>> Kleine Welt in Masse«,» Thüringer Weihnachtskrippen«. Sonneberg 1995,S. 7-36 hier S. 27-29.