Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Walz, Markus: »Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«?

  
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»Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«? : Absatzmarketing als Ursache der Krippenverbreitung
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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 4

absoluten Umsatzzahlen des Verlags Georg Lang sel. Erben lässt sichallerdings viel markanter ablesen, dass der Verlauf des Gesamtumsatzesund des Grödner Umsatzanteils von 1800 bis 1823 in hohem Maß über-einstimmen, danach aber der ohne Grödner Hilfe erzielte Absatz indrei Stufen( ab 1824, ab 1829, ab 1833) emporklettert und sich dadurchder Gesamtumsatz binnen fünfzehn Jahren mehr als vervierfacht.20

Demnach lassen sich die Absatzmöglichkeiten durch GrödnerHändler in Italien und Frankreich nicht beliebig steigern; Firma Langerhöht ihren Gesamtumsatz, indem sie sich unverändert der Grödnerbedient und eigene Absatzbemühungen in den von Grödnern schlechterreichten Gebieten aufsattelt: Der Firmeninhaber Johann EvangelistLang stellt seit 1832 auf der Messe in Offenbach am Main aus, ab 1839arbeitet ein freier Handelsvertreter auf Provisionsbasis zu; Aachen undBielefeld, Schwäbisch Hall und Regensburg sind als Lieferadressen be-kannt. Gegen 1850 umreißt Lang sein Absatzgebiet mit Preußen, Sach-sen, Frankfurt, Hamburg, Schweiz, Frankreich, England, Belgien, denNiederlanden, ferner mit Nord- und Südamerika und Ostindien.2

Die detaillierten Untersuchungen von Zull gestatten, die positiveGeschäftsentwicklung auch mit Produktgruppen zu belegen. 1838/39sind>> Fadengaukler«( Hampelmänner) und» Steckengaukler<< die wich-tigsten Waren bei Lang mit einem Absatzanteil von fast der halbenGesamtstückzahl; alle Spielsachen zusammengenommen bestreitenrund vier Fünftel, während religiöse Plastiken nur ein gutes Sechstelder Absatzmenge dieser beiden Jahre bringen. Ein verbreitertes, in denAbsatzmengen aber nicht greifbares Sortiment zeigt sich, wenn FirmaLang ihre Preisliste um 1850 in Galanteriewaren, Kinderspielwaren,religiöse Gegenstände und Christusbilder- allein von diesen hält man250» Sorten<< vor- gliedert.22

Mit einem Prozent des Gesamtabsatzes( 1838/39) spielen Krippen-figuren offensichtlich keine Rolle, obschon in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts etliche Varianten geläufig sind: Einzelfiguren und starreSzenen, angekleidete Gelenkglieder- und Drahtfiguren, auch Sätze vonKöpfen, Händen und Füßen, aus denen man selbst eine Figur erarbei-

20 Ebd., S. 332 u. Tab. 16, S. 311-313, Tab. 17, S. 332 f.

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Karl Gröber: Alte Oberammergauer Hauskunst. Rosenheim 1980, S. 34; Zull( wie Anm. 19), S. 295 f.

Zull( wie Anm. 19), S. 92 f. u. 94, Tab. 1: Jährliche Produktionszahlen[ 1830-1839], S. 295 f.