Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Walz, Markus: »Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«?

  
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»Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«? : Absatzmarketing als Ursache der Krippenverbreitung
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 4

ihren handgearbeiteten Spitzen) auch Schnitzprodukte verhausieren.Um 1750 sind die ersten Grödner nachweisbar, die auswärts, etwa inPerugia, Neapel, Pavia, Cadiz oder Lissabon, Krämerläden- für Holz-schnitzwaren, Textilien oder auch Gebrauchtgüter- betreiben. 1807betätigen sich 348 Grödner in 130 auswärtigen Orten; davon leben 229Händler in 69 Städten der italienischen Halbinsel, 52 in 30 österrei-chischen Städten, 28 in 15 spanischen, 13 in vier französischen Städ-ten. Anscheinend bevorzugen die( mehrheitlich ladinischen) Grödnerromanische Sprachräume und das benachbarte Österreich. Im frühen19. Jahrhundert entwickeln sich aus Warenaufkäufern der auswärtigenGrödner Handelshäuser mehrere Verleger, die Erzeugnisse von abhän-gigen Heimarbeitern auch anderwärts weiterverkaufen. Hauptabsatz-gebiete bleiben Italien, Frankreich, England und Nordamerika.18

Der Geschäftskreis für Oberammergauer Holzschnitzwaren hatinteressante Berührungspunkte mit den Grödnern. Die schon 1508nachgewiesenen Ausgangsprodukte in Oberammergau sind»> feineBildschnitzereien und Cruzifixe«<; seit 1681 ist die Bildschnitzerei alszunftfreies, aber örtlich begrenztes Gewerbe reguliert. Um 1800 be-steht das Sortiment aus Krippen, Kruzifixen, Heiligenfiguren, Gna-denbildkopien und verzierten Gebrauchsgegenständen, unter denenSpielzeuge dominieren. Der Spielzeugmarkt ist umkämpft, doch Ober-ammergau besetzt erfolgreich das obere Preissegment, während dieanderen Holzspielzeugzentren eher zum preisgünstigen Massenmarkttendieren. 19 Die erwähnten auswärtigen Grödner Händler setzen in derersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch große Teile der Oberammer-gauer Holzschnitzproduktion ab; möglicherweise regen sie als Haupt-abnehmer auch die vermehrte Spielzeugproduktion in Oberammergauan, wenn sie ihr Warenangebot neben Grödner Produkten mit anderenErzeugnissen abrunden wollen.

Anhand relativer Zahlen will Zull zeigen, wie die Bedeutung desvon Grödnern ausgelösten Umsatzanteils immer mehr abnimmt. In den

18 Marina Demetz: Hausierhandel, Hausindustrie und Kunstgewerbe im Grödentalvom 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert(= Tiroler Wirtschaftsstudien, 38).Innsbruck 1987, S. 21-23, 91-97; Rita Stäblein: Altes Holzspielzeug aus Gröden.Die Entwicklung einer Heimindustrie. Bozen/ Bolzano 1980, S. 13-16, 101, 110.Gertraud Zull: Oberammergauer Schnitzereien. Gewerbe und Handel in derersten Hälfte des 19. Jahrhunderts(= Bayerische Schriften zur Volkskunde, 4).München 1995, S. 13-15, 92 f.

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