Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Walz, Markus: »Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«?

  
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»Nicht zum Geld Verdienen, sondern zu Ehren des Christkindleins«? : Absatzmarketing als Ursache der Krippenverbreitung
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 4

Umso interessanter erscheinen konkrete Bemühungen von Herstellernoder Händlern, Weihnachtskrippen abzusetzen. Allerdings betreffenbis weit ins 20. Jahrhundert die Absatzbemühungen von Produktions-und Handelsfirmen kaum einzelne Produkte oder gar Produktvarian-ten, sondern ganze Bündel von Gegenständen möglicherweise ohnedie Nachfragesituation eines einzelnen Artikels zu berücksichtigen.Deshalb werden nachfolgend die Aktivitäten der mit Krippen befass-ten Branchen nicht anhand der Krippen beleuchtet( z. B. Umsatz Ober-ammergauer Krippenschnitzer), sondern auf der relevanten Ebene derProduktgruppen( z. B. Oberammergauer Holzschnitzwaren), in derenZusammenhang die Chancen des Einzelartikels Krippen( figuren) zusuchen sind.

Solche Produktvielfalten veranschaulicht das sächsische Erzgebirge.Drechslerwaren aus Seiffen finden schon 1785 europaweite Verbrei-tung, doch füllen Haushaltswaren wie Teller, Gebrauchsartikel wieNadeldosen und diverses Spielzeug das Programm. Krippenfigurenals Massenware sind erst um 1850 mit dem Musterbuch des Spielwa-renverlegers Carl Heinrich Oehme, Waldkirchen, nachweisbar. 14 Beinicht enden wollender Nachfrage können Seiffener Drechsler ihreProduktpalette in verschiedene Richtungen ausdehnen und verwalteneher Mangel, als dass sie an Nachfragegrenzen stoßen. Schon für diezweite Hälfte des 18. Jahrhunderts sieht Fritzsch es als typisch an, dassnicht die Kreativität des Drechslers Novitäten erbringt, sondern dieGroßhändler und Verleger von den Messen oder aus den GroßstädtenNeuheiten mitbringen, die sie als die Nachgestaltung lohnend beur-teilen. 15 In der Vielfalt von Weihnachtsartikeln greifen sie erst nachdem Lichterengel( um 1830), dann nach Nussknackern( um 1840) undRäuchermännchen( um 1850).16

Eine durchgehende Linie in derartigen Produktpaletten ist mar-kant und besitzt in mehreren analysierten Beispielen große Bedeutung:Kleinformatige, preiswerte Krippenfiguren- wie sie für die weite Ver-

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Manfred Bachmann: Holzspielzeug aus dem Erzgebirge. 4. Aufl. Dresden 1994,S. 24-26; Claus Leichsenring: Erzgebirgische Weihnachtspyramiden. Entwick-lung, Herstellung und Gestaltung(= Weiß- Grüne Reihe[ der] Landesstelle fürerzgebirgische und vogtländische Volkskultur, 2). Dresden 1993, S. 53.Karl- Ewald Fritzsch: Erzgebirgische Spielzeugmusterbücher. In: Deutsches Jahr-buch für Volkskunde 4, Teilbd. 1, 1958, Berlin, S. 91-128, hier S. 98.Bachmann( wie Anm. 14), S. 204, 213, 228.