>> Nicht zum Geld Verdienen, sondernzu Ehren des Christkindleins<<?Absatzmarketing als Ursache derKrippenverbreitung1
Markus Walz
Die Forschungsliteratur zu Krippen behandelt Markt-beziehungen, wenn überhaupt, als schlichte Nachfrage-steuerung- so meinen beispielsweise Karasek und Lanz,dass die Andachtsbild- und Bilderbogendrucker in dieKrippenherstellung einsteigen, sobald die Nachfrage beihandgemalten Papierkrippen markant wächst.2 SolcheArgumentationen vergessen, dass die Mangelwirtschaftbis ins 20. Jahrhundert reicht: Nicht die Nachfrageder Konsumentinnen und Konsumenten dominiert dieMärkte, sondern das Verhalten der Produzenten undbestenfalls noch dasjenige des Handels.
Sicherlich trifft es zu, dass sich die häusliche Weihnachtskrippe faktischim 19. Jahrhundert weit verbreitet. Anliegen dieses Beitrags ist heraus-zustellen, dass das Absatzmarketing von Herstellern und Händlern dieKrippenverbreitung markant begünstigt oder behindert hat. Zur Ver-anschaulichung der Fragestellung seien zwei bekannte Schlüsselereig-nisse der Krippengeschichte vorangestellt und deren Marktbeziehung
1 Überarbeitete Textfassung von Referaten am 14.06.2003 auf Einladung der Lan-desgemeinschaft der Krippenfreunde in Rheinland und Westfalen in der Aka-demie des Bistums Rottenburg- Stuttgart, Weingarten, sowie am 10.12.2009 aufEinladung der Fachschaft Volkskunde/ Kulturgeschichte an der Friedrich- Schil-ler- Universität Jena.
2 Alfred Karasek, Josef Lanz: Krippenkunst in Böhmen und Mähren vom Frühba-rock bis zur Gegenwart. Hg. Erhard Riemann. Marburg 1974, S. 36.