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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 4
gischer, pädagogischer und Ratgeberliteratur; aus ethnographischenWerken wie Reise-, Landes- und Ortsbeschreibungen, aber auch dervolkskundlichen Lied- und Erzählforschung; aus Biographien undAutobiographien( auch Arbeiterautobiographien108) und sicherlich ausGesellschaftsromanen eine einschlägige Proust- Passage haben wir
bereits zitiert.
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Ganz andere Möglichkeiten hat die Stimmhistorik für das 20.Jahrhundert. Um 1900 wurden im deutschsprachigen Raum( auf denwir uns hier beschränken) die ersten phonographischen Sammlungenangelegt. Das Phonogramm- Archiv der Österreichischen Akademieder Wissenschaften in Wien, das 1899 gegründet wurde und 1901 mitErhebungen begann, verfügt heute über rund 34 000 Tonaufnahmenvon gesprochenem Deutsch: Sammlungen zu Dialekten und Soziolek-ten( z. B. zur Offizierssprache), aber auch von Prominenten- und vonKinderstimmen. Einzelne Sprecher sind über Jahrzehnte hinweg do-kumentiert. 109 Auf das Jahr 1910 geht das Schallarchiv am Seminar fürSprechwissenschaft und Phonetik der Universität Halle- Wittenbergzurück; es besitzt mehr als 12 000 Sprachaufnahmen, die für die Dis-ziplinen Phonetik, Rhetorik, Sprach-, Sprech- und Stimmstörungensowie sprechkünstlerische Kommunikation gesammelt wurden. Dasseit 1920 existierende Berliner Lautarchiv, heute dem Musikwissen-schaftlichen Seminar der Humboldt- Universität angegliedert( es wirdderzeit in die Datenbank IMAGO überführt), besitzt neben Musik-aufnahmen an die 3800 Sprachplatten, u.a. mit Mundartbeispielen( ausden 1920ern), Prominentenstimmen( 1917 bis 1944) und im ErstenWeltkrieg aufgenommenen» Völkerstimmen«< aus 250 Nationen.
108 So enthalten z. B. Ludwig Tureks Erinnerungen» Ein Prolet erzählt«< zahlreichePassagen über laute Stimmen: Fast immer ist es die von Vorgesetzten, die Arbei-ter dagegen werden bei ihm vornehmlich in Situationen kollektiver Gegenwehrlaut. Natürlich sind solche Schilderungen primär Beiträge zur Geschichte vonErzählkonventionen zu diesem Thema; gleichwohl können sie auch die Hypothe-senbildung zum realen Sprechverhalten anregen.( Vgl. Ludwig Turek: Ein Proleterzählt. Leipzig 1968.)
109 Ausführlichere Angaben zu den hier genannten Sammlungen finden sich aufden websites der jeweiligen Institutionen sowie in: Peter Wagener, Karl- HeinzBausch: Tonaufnahmen des gesprochenen Deutsch. Dokumentation der Bestän-de von sprachwissenschaftlichen Forschungsprojekten und Archiven(= ReihePhonai, Texte und Untersuchungen zum gesprochenen Deutsch, 40). Tübingen1997.