Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Pallowski, Katrin; Warneken, Bernd Jürgen: Zur Sozialanthropologie des Stimmklangs

  
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Zur Sozialanthropologie des Stimmklangs
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 4

Lehrreich sind die Ratgeber zudem, weil sie auf divergente, teil-weise schwer auszutarierende Stimmanforderungen für die herrschen-den Klassen eingehen. So macht Pockels deutlich, dass Machtansprüchesich auch in betont leisem Sprechen ausdrücken können. Als einen>> vornehmlich in den höheren Ständen«< verbreiteten Übelstand kriti-siert er»> das zu feine, zu leise und piepende Sprechen so vieler Leute,welches nicht sowohl ein Fehler des Organs, als vielmehr einer( sic)lächerlichen Angewohnheit ist(...). Im Umgange mit Höheren ist manwegen ihrer oft so unverständlichen Aussprache in großer Verlegenheit,wenn man sie fragen und wieder fragen, und dadurch an die Pflicht undSchicklichkeit, deutlicher zu reden, erinnern muß,( was oft sogar übelgenommen wird, weil die Großen auch hierin nicht gern Winke ver-tragen, und zu verlangen scheinen, daß man ihren undeutlichen Vor-trag augenblicklich vernehmen soll.)«<. 79 Was Pockels dagegen toleriert,sind gewisse laute Berufsstimmen- sie mögen nicht schön sein, seienaber zweckmäßig:» Das nehmliche Lautseyn( wie bei Landleuten,d.V.) beobachten wir selbst oft bey gebildeten Frauen und Männern,welche viel in ihren Geschäftskreisen zu reden haben, und oft widerihren Willen ihre Stimme anstrengen müssen, z. B. bey Hausmüttern,die einer großen Wirthschaft und vielem Gesinde vorstehen müssen;bey Erzieherinnen und Schulmeisterinnen; bey Criminal- und andernRichtern, die öffentliche Vorträge halten; bey Geistlichen, welche, wieman sagt, die Kirche füllen sollen; bey Schullehrern, die nicht eher zuWorte kommen können, bis sie den Bienenschwarm ihrer Classe über-schrieen haben; bey commandirenden Kriegsleuten, und wie die co-mischen oder tragischen Ueberschreiungen aller Art heißen mögen.<< 80Als Problem wird es jedoch empfunden, dass diese Berufspraktiken zurHabitualisierung tendierten:» Man kennt Männer und Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber dieserArt,<< schreibt Pockels,» welche Versuche machten, dieses Lautredenabzulegen; aber dann reden sie wieder in einigen Perioden in weichenTönen; dann verfallen sie auf einmahl in das geräuschvolle Lautseyn,so daß die Variation ihrer Stimme für das Gehör lächerlich wird.<< 81Siede sieht dieselbe Gefahr einer déformation professionelle:»> Leute,die in ihrem Beruf oft streng und barsch seyn müssen, gewöhnen sich

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Ebd., S. 9 f.

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Ebd., S. 18 f.

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Ebd., S. 19.