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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 4
geschlechtlichen Semantik changierende Stimmen»> vereindeutigt.<< 54Während der US- Schauspieler Tom Selleck eine helle, leicht piepsigeStimme hat, spricht er in der deutschsprachigen Version dunkel undbrummig; und Thomas Danneberg, der Silvester Stallone auf Deutschsynchronisiert, klingt deutlich tiefer als dieser und produziert überdiesnicht die Kiekser, die bei Stallone manchmal zu hören sind.55 Dochzweifellos wäre zum Thema Männerstimmgeschmack ebenfalls einebreitere empirische Forschung nötig zu gruppen- und genrespezifi-schen Unterschieden ebenso wie zu der Frage, ob sich mit der( gewisszaghaften) Verbreitung neuer Männerrollen und einer androgynenKörperkultur auch die Vorstellungen von einer» echten« Männer-stimme pluralisieren.56
Vieles spricht dafür, dass die heutigen Höhenunterschiede derGeschlechterstimmen nicht zuletzt mit dem Schub für eine>> Polarisie-rung der Geschlechtscharaktere«( Karin Hausen) zusammenhängt, derab dem 18. Jahrhundert in Europa zu beobachten ist. Die These, dassdie veränderte Aufgabenteilung in der bürgerlichen Familie und dieihr entsprechenden neuen Frauen- und Männerbilder auch die Stimm-kultur und die Stimmlage beeinflusst haben könnten, wird von einemgewiss nicht feministischen Zeugen unterstützt: Es ist Wilhelm Hein-rich Riehl, der 1855 in seiner Studie» Die Familie«< eine Verbindungzwischen geringer geschlechtlicher Arbeitsteilung und geringer> ge-schlechtlicher Stimmteilung< behauptet. In» niederen Volksschichten<<( von ihm auch» die rohen Urschichten der modernen Gesellschaft<<genannt) sei die» Absonderung der beiden Geschlechter im geschäftli-chen Beruf<< noch gering entwickelt, und entsprechend finde man hierauch im Körperbau, in der Physiognomie, in den Sitten weit größereÄhnlichkeiten zwischen Frauen und Männern als bei den» verfeinertenKlassen<<.>> Selbst die Klangfarbe der Stimme der beiden Geschlechterist bei einfacheren Zuständen der Gesittung im Allgemeinen gleichmä-
54 Gereon Blaseio:» Gendered Voices«< in der Filmsynchronisation.»> First Blood<<versus>> Rambo<<. In: Cornelia Epping- Jäger, Erika Linz( Hg.): Medien/ Stim-men. Köln 2003, S.160-175, hier S. 165.
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Ebd., S. 163, 169.
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Ist z. B. der heutige Publikumserfolg von Countertenören eine auf die Konzert-und Opernbühne beschränkte Sonderentwicklung oder Ausdruck eines neuenStimmgeschmacks bei Frauen und Männern, der auch eine größere Akzeptanzfür hohe männliche Sprechstimmen impliziert?