Katrin Pallowski, Bernd Jurgen Warneken, Zur Sozialanthropologie des Stimmklangs
gesegnet.<< 20 Das ist zweifellos ein klimatistischer Exzess. Doch abususnon tollit usum: Dass feuchte oder trockene Luft Wirkfaktoren fürden Stimmklang darstellen, ist kaum bestreitbar. Noch mehr gilt es fürEss- und Trinkgewohnheiten. Und dass Raucher öfter eine» rauchige<<Stimme bekommen und viele» Altjunkies« raue bis brüchige Stimmenhaben, ist wohl nicht nur ein Vorurteil. Schwierig ist es allerdings zuentscheiden, ob hierfür primär das Heroin oder eben das Rauchenund der schlechte Körperzustand insgesamt verantwortlich zu machensind. Auch Experten für stimmverändernde Stoffe waren sich nie ei-nig, ob als» Emollentia«<, als Weichmacher, nun Glyzerin, Tragant oderrohe Eier und als» Stimulantia«< Cayennepfeffer oder Eukalyptus zubevorzugen seien. 22 Enrico Caruso, so wird erzählt, vertraute keinemeinzelnen Hilfsmittel, sondern nahm vor seinen Auftritten einen Mixaus Schnupftabak, Whisky, Sprudel und Äpfeln zu sich; um sicher zugehen, steckte er noch ein Korallenhorn, Heiligenmedaillen und alteMünzen ein und rief zuletzt seine verstorbene Mutter an. 23 Ein irratio-nales Verhalten, veranlasst durch die rationale Einsicht in die Komple-xität und teilweise Unerhelltheit der Faktoren, die einer Stimme einenbestimmten Klang geben.
Stimmsozialisation
>> Each person's voice is a creature of the shape of one's skull, sinuses,vocal tract, lungs, and general physique. Age, geography, gender, edu-cation, health, ethnicity, class, and mood all resound in our voices.<< 24Im Stimmklang vereinen sich Natur und Kultur, aber auch Individuum
20 Friedrich Herzfeld: Magie der Stimme. Die Welt des Singens, der Oper und dergroßen Sänger. Berlin, Frankfurt/ M. 1961, S. 16.
21 Vgl. dazu die Diskussion bei www.drogen-forum.net/index.php?/topic/4780-stimme- bei- altjunkies/( Zugriff: 20.12.2010).
22
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Richard Luchsinger: Die Stimme und ihre Störungen. Wien, New York 1970,S. 303.
Horst Gundermann: Phänomen Stimme. München, Basel 1994, S. 63.
24 John Durham Peters: The voice and modern media. In: Kolesch, Schrödl( wieAnm. 2), S. 85-100. Oft wird der Stimmklang mit einem Fingerabdruck ver-glichen und als Identifikationsmerkmal betrachtet, das weniger> umgeschminkt<werden könne als ein Gesicht. Was ja die Polizei auch bei Fahndungen nutzt,allerdings mithilfe von Computeraufzeichnungen, die mehr hören als das»> unbe-waffnete<< Ohr.
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