Jahrgang 
114 (2011) / N.S. 65
Seite
398
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398 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 3

thematisieren, mit Querverweisen zu international bekannten Vorbil-dern. Gleichzeitig muss an diesem Sachverhalt auch Kritik festgemachtwerden, die gewiss ein Klagen auf hohem Niveau darstellt, aber dieunterschiedlichen Ausgangsprämissen schmälern die Möglichkeit zurbeitragsübergreifenden Deutung der vorgestellten Frauenrollen. Diesist vor allem deshalb nur ein kleiner Wermutstropfen, da die Publi-kation andererseits gerade durch die Breite der Aspekte besticht unddeshalb beste Voraussetzungen für eine facettenreiche und kontroverseDiskussion von Geschlechterrollen sowie der Ein- und Ausblendungenvon> Heldinnen im Kontext ihres zeitgenössischen> Gebrauchswertes<bietet.

Martin Steidl

Alexandra Schwell: Europa an der Oder.

Die Konstruktion europäischer Sicherheit an der deutsch- polnischenGrenze. Bielefeld: transcript 2008, 348 Seiten.

>> Europa an der Oder«<, so nennt die Autorin die Publikation ihrer Dis-sertation, die an der Europa- Universität Viadrina in Frankfurt( Oder)bzw. am Collegium Polonicum in Słubice entstanden ist- und tatsäch-lich könnte kein Ort besser geeignet sein, der« Konstruktion europäi-scher Sicherheit an der deutsch- polnischen Grenze« nachzugehen.

Der deutsch- polnischen Kooperation gilt Alexandra Schwells In-teresse, einer Kooperation auf verschiedenen Ebenen: Auf der Ebeneder Politik, der Polizeiführung und der Grenzschützer. Mit Humorbehandelt die Ethnologin diese verschiedenen Ebenen, wobei sie sicham meisten für die Kooperation zwischen deutschen und polnischenGrenzschützern interessiert. Sie führt den Leser an die Oder in dieZeit nach Polens Beitritt zur Europäischen Union, als die ehemaligeAußengrenze zu einer Binnengrenze wurde. Der Leser beobachtet, wiesie mit den Grenzschützern zusammen sitzt, raucht und sich Heldenge-schichten erzählen lässt. Doch der erste Eindruck täuscht, denn meistgeht das Personal der Grenzpolizei schlicht bürokratischen Tätigkei-ten nach, in der Regel passiert nichts sonderlich Aufregendes, meist istLangeweile Gast.