Chronik der Volkskunde
Tagung>> Arbeit im Lebenslauf. Normalität in historischer Perspektive<<,Veranstalter: Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien,Institut für Wissenschaft und Kunst Wien, Österreichisches Museumfür Volkskunde Wien von 12.- 14.5.2011
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Es ist immer wieder erstaunlich, welche Dynamik Denkmodelle, ge-nauer: Versatzstücke aus durchaus komplexeren Modellen gewinnen:Beispiel für ein solches Eigenleben, das auch wissenschaftlich fundier-te Begriffe entwickeln können, ist das Wort vom» Normallebenslauf<<,wie es durch Martin Kohli prominent geworden ist. Wort und Begriffhaben sich wie, das wäre reizvoll nachzuzeichnen – längst als Befundverselbständigt, in gewisser Weise verflüchtigt, denn der» Normalle-benslauf<< ist nicht selten unausgesprochener Denkhorizont. Das lässtsich zumal dann beobachten, wenn Veränderungen der Arbeitsweltenund deren Auswirkungen auf den gesamten Lebensverlauf diskutiertwerden. Zeitgenössische Arbeitswelten, die Brüche und Grenzen inKarrieren, werden dann vor dem Hintergrund eines» Normallebenslau-fes« und damit kontinuierlicher und sicherer Arbeitswelten bewertet.Die Tagung» Arbeit im Lebenslauf«<, die das Institut für EuropäischeEthnologie gemeinsam mit dem Institut für Wissenschaft und Kunstund dem Österreichischen Museum für Volkskunde konzipiert unddurchgeführt hat, nahm diese Verselbständigung zum Anlass, im in-terdisziplinären Kreis von Kolleginnen und Kollegen vor allem aus denGeschichts- und Sozialwissenschaften» Normalität in historischer Per-spektive«< in den Blick zu nehmen.
Die Vorschläge, die auf einen breit gestreuten Call for Papers folg-ten, der sich insbesondere an jüngere Wissenschaftlerinnen und Wis-senschaftler gerichtet hatte, thematisierten zwar sehr unterschiedlicheArbeitssituationen und Problemfelder in synchronen wie diachronenPerspektiven, alle jedoch implizierten die Reflexion der jeweiligenVorstellung vom Normallebenslauf. Schließlich entschied sich das Ta-gungsteam( Therese Garstenauer, Thomas Hübel und Klara Löffler)dafür, die Zahl der Beiträge auf elf zu beschränken, wodurch es anden drei Tagen ausreichend Raum für die Diskussion gab; eine Ent-scheidung, die sich als sehr wesentlich für die Diskussionskultur derTagung erwies.
Für einen öffentlichen Abendvortrag in den Räumen des Insti-tut Français de Vienne am ersten Tagungstag konnte Daniel Bertaux
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