Jahrgang 
114 (2011) / N.S. 65
Seite
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neuer Dings

>> Zum Andenken der Freundschaft<<

Ein Frauenstammbuch aus dem 19. Jahrhundert

Das 2006 angekaufte Stammbuch befand sich in Familienbesitz undwurde vom Österreichischen Museum für Volkskunde als Ergänzungder bestehenden Sammlung erworben.' Solche Stammbücher im Sinnevon Freundschaftsbüchern dienten nicht genealogischen Aufzeichnun-gen von Familien oder Geschlechtern, sondern enthielten handschrift-liche Einträge befreundeter oder bekannter Personen. Sie haben sichaus verschiedenen Vorstufen zu einem eigenen Typus entwickelt undsind gleichzeitig als Vorläufer der Poesiealben und Freundschaftsbü-cher des 20. Jahrhunderts anzusehen.

Rückblick

Nach heutigem Forschungsstand ist die Entstehung der Stammbuch-tradition eng mit den sich ändernden Lebensverhältnissen unter demEinfluss von Humanismus und Reformation verbunden. Bereits vorder Mitte des 16. Jahrhunderts kommt unter den Studenten die Sitteauf, ihren Lehrern deren gedruckte Werke vorzulegen und um einenpersönlichen Eintrag zu bitten. Die Anfänge dieser studentischenAutographensammlungen stehen vor allem mit der UniversitätsstadtWittenberg in Verbindung, welche bedeutende Gelehrte und viele Stu-denten anzog. So überrascht es nicht, dass das älteste bekannte Stamm-buch aus dem Jahre 1545 ebenfalls in Wittenberg angelegt wurde, warendoch gerade die Einträge Martin Luthers und Philipp Melanchtonssehr begehrt. Diese Einträge waren nicht nur handschriftliche Anden-ken zur persönlichen Erinnerung der Studenten, sondern beim damalsdurchaus üblichen, oftmaligen Wechsel des Studienortes gleichzeitigauch Empfehlungsschreiben und Nachweis ihrer bisher absolviertenStudien. Da den Eintragungen in der Regel Ort und Datum beigefügtwurden, ließen sich die Stationen ihrer Reise- und Studienwege ver-folgen.

1 Inventarnummer ÖMV/ 83.321, Maße: H= 13,5 cm, B= 22,5 cm, T= 2,5 cm

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