Aufsatz in einer Zeitschrift 
Der filmische Blick im Museum : Dekonstruktion des Eigenen und Fremden im US-amerikanischen Informationsfilm Wie die Jungen sungen
(R: Georg Tressler, 1954)
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Der filmische Blick im Museum.Dekonstruktion des Eigenen undFremden im US- amerikanischenInformationsfilm Wie die Jungensungen( R: Georg Tressler, 1954)

Maria Fritsche

Einleitung

Es ist ein kleines, etwas verstaubtes Juwel, das mir da im Zuge vonRecherchen zu einem Forschungsprojekt zum Marshall Plan Film indie Finger fiel. Der Dokumentarfilm WIE DIE JUNGEN SUNGEN, ge-dreht 1954 in Wien, schildert den Eintritt eines Mädchens in eine neueSchule. Am Ende des Schuljahres unternimmt die Klasse einen Ausflugins Volkskundemuseum und demonstriert anhand dieser Szene die ge-glückte Integration der Protagonistin in die neue Gemeinschaft. Ob-wohl das Museum für Volkskunde in Wien in erster Linie als Kulissefür die Filmhandlung dient, gewährt der Film interessante Einblickein die Rolle des Museums in den 1950er Jahren, seine Zugänge zurKulturvermittlung und seine Stellung als Bewahrer der österreichi-schen ländlichen Kultur. Mehr noch: Der Film nutzt das Museum alsOrt, um mit visuellen Mitteln den Stellenwert der nationalen Kulturzu erörtern, das Eigene mit dem Fremden zu konfrontieren und damitden Konstruktionsprozess ethnischer und nationaler Identitäten auf-zudecken, aber auch deren Brüchigkeit sichtbar zu machen. In diesemAufsatz möchte ich anhand einer detaillierten Analyse der im Museumspielenden Filmsequenz die unterschiedlichen und, wie deutlich wer-den wird, durchaus widersprüchlichen Bedeutungsebenen des Films

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Ich danke Karin Moser und dem österreichischen Filmarchiv, die mir eine Sich-tung des Films ermöglichten.