Chronik der Volkskunde
People Make Places ways of feeling the world.
10. internationaler Kongress der Societé Internationale d'Ethnologieet de Folklore( SIEF) vom 17.- 21. April 2011 in Lissabon.
Lissabon bietet Mitte April wahrlich genügend außerwissenschaftli-che Gründe, um der Stadt einen längeren Besuch abzustatten: Früh-lingshafte 20 Grad, blauer Himmel, eine wunderschöne Altstadt vonkolonialer Grandezza und morbidem Charme. Massenweise gegrilltenFisch mit Zitrone, herrliche Eierspeisen und die berühmten pastéis denata mit gebrannter Vanillecreme in Blätterteig. Portwein und vinhoverde, Kirschlikör und pechschwarzen Kaffee in holzgetäfelten, ver-spiegelten Kaffeehäusern wie zu Zeiten Pessoas. In der Alfama, inMouraria oder dem Bairro Alto ein malerisches Gassengewirr mit klei-nen Barockkirchen, steilen Aufstiegen und immer wieder überraschen-den Aussichtspunkten- den miradouros mit Blick über Stadt und
Hafen. Mitten im Zentrum die nach dem verheerenden Erdbeben von1755 angelegten Stadtplätze mit den Denkmälern der Nationalheroen,der portugiesischen Könige von Dom João I. über Dom Pedro IV. bisDom Jose I., sowie des aufgeklärten Lissabonner Stadtdiktators undWiederaufbau- Organisators, Marquês de Pombal. Weiter im Westen,wo der Tejo in den Atlantik übergeht, die geschichtsträchtige Stelle,von wo aus die portugiesischen Seefahrer und conquistadores des 15.und 16. Jahrhunderts ihre Reisen um den afrikanischen Kontinent undnach Übersee antraten. Unweit davon den berühmten Klosterkomplexvon Belém im verspielten manuelinischen Stil, und dicht daneben dieangeblich besten pastéis de nata der Stadt. Ein süddeutscher Touriststeht am Ufer, blickt sehnsuchtsvoll auf das Strohmeer hinaus und ruftseiner Frau zu:» Schau mal, der Fado!«< So schön ist Lissabon. Brauchtman noch mehr Gründe, hinzufahren?
Die Mitglieder der Societé Internationale d'Ethnologie et de Fol-klore( SIEF) haben sich vom 17. bis 21. April 2011 in Lissabon getrof-fen, um sich über das Rahmenthema» People make places- ways offeeling the world<« auszutauschen. Damit stand wieder einmal ein sehrweit gefasstes Thema auf dem Programm, das- ähnlich wie vor zehnJahren in Budapest mit» Times, Places, Passages<< so angelegt war,dass möglichst viele Referentinnen und Referenten etwas beisteuernkonnten. Und so war denn auch die Lissabonner Veranstaltung mitweit über 800 Vorträgen der mit Abstand bestbestückte Kongress in
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