194 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 2
In Sukoró und Veľká Tŕňa sind die traditionellen Urbanisierungs-formen nach der sozialistischen Neustrukturierung des Agrarsek-tors in den 1940er- und 1950er- Jahren kaum erkennbar. Der Anbaueines zweiten Zimmers kann noch aus der Sicht der Grundrissent-wicklung als ein Schritt in Richtung Hakenhof definiert werden. DieEntwicklung folgt ab hier jedoch nicht den früheren Beispielen; mitdem anschließenden zweiten Vorzimmer erfolgte eine Verschiebungzu einem neuen, quadratischen Grundriss. 20 Die Neubauten weisenkeine Übereinstimmungen mit den alten Bauernhäusern auf. Obwohldie meisten Dorfbewohner neben ihrer Beschäftigung in der Genos-senschaft sozialistischer Art eine Nebenwirtschaft im Hof betrieben,wurden die landwirtschaftlichen Anforderungen in der Bauweise nichtmehr berücksichtigt. Man hielt diese Wirtschaftsweise längerfristigfür nicht überlebensfähig. Das ist der Grund dafür, dass die doppelteWirtschaftsweise der Arbeiter( Hauptbetrieb im sozialistischen Agrar-unternehmen und Nebenbetrieb am eigenen Hof) keine eigene, nurfür diese Gruppe charakteristische Architektur hervorbrachte. DasWohnhaus wurde nach dem Vorbild der Häuser in den Vorstädten ge-staltet.21 Die gleichen soziologischen Voraussetzungen in Sukoró undin Veľká Tŕňa bedeuten aber nicht, dass die Wohnhäuser die gleicheForm besessen hätten, da in jedem Land vom Staat her unterschiedli-che Häusertypen bevorzugt wurden. Ähnlich ist jedoch, dass die Wirt-schaftsbauten eine schlechte Qualität hatten, da sie bloß als zeitweiligeAnlagen>> zusammengebastelt« wurden. 22
2.3. Kulturhistorische Merkmale der alten Dorfarchitektur
Die Ästhetik der schlichten nachkriegszeitlichen Häusertypen( meist errichtet von Baumeistern) entspricht nicht den heutigen Anfor-derungen einer Freizeitgesellschaft, obwohl die Ästhetik zu einer derHauptkomponenten der heutigen Freizeitindustrie zählt. Das ist der
20 Máté Tamáska: Kockaházat a skanzenbe? Az utóparaszti háztípus helye a vidékiházfejlődésben. In: Múltunk 3, 2008, S. 98-108, hier S. 104.
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Es ist eine spezifische Erscheinung in Ungarn und in der Slowakei, dass man dasWohnhaus nicht benutzte. Das Leben der Familie konzentrierte sich in der Som-merküche. Ebd., S. 105.
Zoltán Tóth: Egy életforma felbomlása. A szekszárdi kockaházak társadalma1972- ben. I: Valóság 4, 1976, S. 74-84, hier S. 74.