Máté Tamáska, Weinbauorte in Österreich, Ungarn und der Slowakei
( 1) relativ wenig bäuerliche Nebengebäude( wie Stadel und Korn-speicher),
( 2) einen geschlossenes Ortskern und
( 3) eine weit entwickelte Kellerbautradition( Keller im Wohnhausoder separiert davon).
Die hier untersuchten Dörfer weisen diese Charakterzüge nurvereinzelt auf. Im Gegenteil, es sind sogar zahlreiche Nebengebäudevorhanden, deren Funktion nicht mit dem Weinbetrieb zusammen-hängt. In Mörbisch stehen Stadel, die wie eine Mauer das traditionelleSiedlungsgebiet abgrenzen. In Sukoró fallen v. a. die am Straßenrandstehenden Kornspeicher auf. In Veľká Tŕňa findet man freistehendemassive Stadel. Diese Nebengebäude galten als Statussymbole, diemeist im Dorfzentrum zu finden sind, wo traditionell reichere Bauernwohnten. Da die Nebengebäude, die für den Ackerbau und die Vieh-zucht genutzt wurden, viel Platz beanspruchten, führte dies zu einerlockeren Bebauung.
Die Vielfalt der Agrarformen führte zu abweichenden Charakte-ristika. Die Dorflandschaft von Veľká Tŕňa verfügt über eine lockereAnsiedlung, wie ein Ackerdorf. Sukoró weist eine Zwischenstellungauf: Im Dorfzentrum sind Parzellen, die mehr für den Ackerbaubetriebgeeignet sind, in den kleinen Gassen ist dagegen eine dichte Bebauungfeststellbar. Das Erscheinungsbild von Mörbisch wurde am stärkstenvon der Weinwirtschaft geprägt. Der Keller im Hausverbund fehlt fastnie und die Schmalparzellen boten in der Regel vier Haushalten( zu-mindest in der Hauptstraße) Platz. Mit den doppelten Anbauhöfenkam eine Bebauungsstruktur zustande, die an städtische Strukturenerinnert. Tatsächlich hätte es gereicht, die beiden Gebäudeflügel miteinem Toreingang zu verbinden, um den Eindruck der geschlossenenStraßenreihe von Kleinstädten entstehen zu lassen.
Darüber hinaus gibt es auch wesentliche Unterschiede in der Keller-bauweise. In Veľká Tŕňa befinden sich die Keller außerhalb des Dorfes,sie liegen in einen Hang eingetieft. Die Art der Traubenverarbeitungund die kurze Entfernung der Keller vom Dorf machen keine oberirdi-schen Gebäudeteile notwendig. Die unregelmäßig stehenden, gemau-erten Eingänge ergeben ein malerisches Bild.
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Wolfgang Kaitna, Rüdiger Reichel, Kurt Smetana: Katalog baulicher Merkmaleim nördlichen Burgenland. Wien 1978, S. 27.
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