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Prekäre Beziehungen : zur kulturellen Logik der Verschuldung
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Silke Meyer, Prekäre Beziehungen

von Zahlungsstörungen und Zahlungsausfällen bis zur Privatinsolvenzund befinden sich damit auf dem Weg von der Ver- in die Überschul-dung.23

Die kulturelle Logik des Kredits

Überschuldung ist ein existentielles Problem, das vielfältiger Erklä-rungsansätze bedarf. Es geht eben nicht darum, dass Schuldnerinnenund Schuldner das Kleingedruckte nicht lesen können oder verant-wortungslos über ihre Verhältnisse leben. 24 Derartige Stammtischpa-rolen reduzieren Kreditpraktiken auf ihre ökonomische Dimensionund Schuldnerinnen und Schuldner auf soziale Stereotype. Ich sehedie Voraussetzung für einen komplexen Erklärungsansatz in einergrundlegenden These der ökonomischen Anthropologie. Die Theselautet: Schulden und Kredite sind Teil eines Austauschwesens, des-sen Ursprung Marcel Mauss in dem System der Gabe und der Ge-gengabe sieht: Geben, Nehmen und Zurückgeben sind grundlegendeFormen im Prozess der sozialen Organisation von Gesellschaft. Dennjede Gabe, auch wenn sie freiwillig, selbstlos und spontan erscheine,habe einen» zwanghaften und eigennützigen Charakter« 25. Das be-deutet nichts anderes als dass jede Gabe eine soziale Handlung nachsich zieht, welche die Position von Geber und Nehmer zueinanderbestimmt. Das reziproke System der Gabe und Gegengabe generiertdamit gesellschaftliche Strukturen und Hierarchien und regelt das Zu-sammenleben der Akteure.

23 Berücksichtigt sind keine Hypothekarkredite, sondern nur so genannte Konsu-mentenkredite und bankneutrale Schulden, also Miet- und Energieschulden, of-fene Telefonrechnungen, Unterhaltsschulden, Versicherungsschulden, Schuldenim Freundeskreis, Spielschulden und Pfandleihen. Der Schulden- Atlas der Cre-ditreform weist sogar 6,9 Millionen Privatpersonen in der Überschuldung aus,die Schufa nennt 2,8 Millionen Haushalte. Siehe Dieter Korczak: Der öffentlicheUmgang mit privaten Schulden. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 26, 2009,S. 26-39, hier S. 26.

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Unwirtschaftliche Haushaltsführung ist mit 8,6 Prozent der Klienten von Schuld-nerberatungsstellen ein vergleichsweise geringer Posten bei den Gründen fürÜberschuldung, Korczak( wie Anm. 23), S. 28.

Marcel Mauss: Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischenGesellschaften( 1923-24). Frankfurt a. M. 1990, S. 18.

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