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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 2
Reproduktion auf langfristigen Ordnungen beruhe. Ein entwicklungs-theoretischer Verlauf vom persönlichen Tausch zum anonymen Marktwäre jedoch ein Trugschluss. Beide Modi des Austausches existierenkulturübergreifend parallel: Der grundlegende Unterschied innerhalbder Kulturen ist kein Unterschied zwischen Kulturen. 12
Die Koexistenz unterschiedlicher Modi des ökonomischen Han-delns und der soziale Netzwerkcharakter des Kreditwesens sind auchErgebnisse verschiedener Studien zu historischen Kreditmärkten. DieEuropäische Ethnologin Carola Lipp beschreibt( historische) Kre-ditbeziehungen als ein» kulturspezifisches System von organisiertenzweckgerichteten Handlungen und Normen, das sowohl wirtschaftli-che Bedürfnisse als auch soziale Funktionen erfüllt« und stellt grund-legend dar, wie Schulden und Kredite als kulturelle Praxis gelesenwerden können. 13
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Maurice Bloch, Jonathan Parry: Introduction. In: Dies.( Hg.): The Moralityof Exchange. Cambridge 1989, S. 29. Zum Aspekt Zeit im Kreditwesen sieheauch Carola Lipp: Aspekte der mikrohistorischen und kulturanthropologischenKreditforschung. In: Jürgen Schlumbohm( Hg.): Die soziale Praxis des Kredits.16.- 20. Jahrhundert. Hannover 2007, S. 15-36, hier S. 17-24.
13 Lipp( wie Anm. 12), S. 15. Weitere europäisch- ethnologische Studien zum histo-rischen Markt- und Kreditwesen und seinen sozialen Dimensionen unternehmenMichaela Fenske: Marktkultur in der Frühen Neuzeit. Wirtschaft, Macht undUnterhaltung auf einem städtischen Jahr- und Viehmarkt. Köln/ Wien/ Weimar2006 und Dies.: Kredit im Kontext der frühneuzeitlichen Marktkultur. Zah-lungspraktiken auf einem Jahr- und Viehmarkt. In: Mark Häberlein, ChristophJeggle( Hg.): Praktiken des Handels. Geschäfte und soziale Beziehungen europä-ischer Kaufleute in Mittelalter und früher Neuzeit. Konstanz 2010, S. 477-492;Reinhard Johler: Bäuerliches Kreditwesen im Alpenraum. Vorbemerkungen zueiner, economic anthropology'. In: Historische Anthropologie 7, 1999, S. 147–153und Kai Detlev Sievers: Schuldenmachen kleiner Leute. Beispiele aus Schleswig-Holstein für die Zeit vom 17. bis 20. Jahrhundert. In: Zeitschrift der Gesellschaftfür Schleswig- Holsteinische Geschichte 122, 1997, S. 27-51. Bernhard Fuchsuntersucht, inwieweit ökonomische Transaktionen entlang ethnischer Grenzenstattfinden und welche Rolle Ethnizität dabei innehat. Auch er stößt auf eineParallelität von formellen Sektoren und persönlichen Beziehungen in homogenenHandelsgruppen, Bernhard Fuchs: Ethnischer Kapitalismus. Ökonomie der Süd-asiaten in Wien. Wien 1997, S. 343, zu informellen Krediten siehe S. 165–167.Geschichtswissenschaftliche Arbeiten zum Thema Kredit als sozialer Praxis fin-den sich in den Sammelbänden von Jürgen Schlumbohm( Hg.): Die soziale Pra-xis des Kredits. 16.- 20. Jahrhundert. Hannover 2007 und von Gabriele Clemens( Hg.): Schuldenlast und Schuldenwert. Kreditnetzwerke in der europäischen Ge-