Jahrgang 
114 (2011) / N.S. 65
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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 1

päisierungsprozesses; der» Harmonisierung<<

einem Schlüsselkonzept

der EU- müsse zukünftig mehr Beachtung geschenkt werden.

Die Reihe der Vorträge eröffnete Johanna Rolshoven( Graz) am da-rauffolgenden Tag: Die Begegnung mit zwei Möbelstücken aus ihrereinstigen und gegenwärtigen Arbeitsumgebung ließ sie nach den Ver-wendungen und Anpassungsprozessen dieser Objekte fragen. Möbelkönnen uns anrühren oder auch abstoßen. Nach dem französischen Wis-senschaftssoziologen Bruno Latour sind Gegenstände mit Menschen zuverbinden bzw. ist dem, was zwischen Menschen und Dingen geschieht,ein eigener Status zuzumessen. Der Resopalschrank im Marburger In-stitut für Europäische Ethnologie markiert ein Stück Institutsgeschichte

in den frühen 1980ern haben ihn politisch aktive Frauen am Insti-tut angeschafft und benutzt, in ihm materialisiert sich für Wissende derBeginn der dortigen Genderforschung, in ihm bündeln sich Gedanken,Diskussionen, Personen. Heute ist der Marburger» Frauenschrank<< zu-rechtgerückt und erschreckt in seiner neuen Banalität jene, die ihn ausfrüherer Zeit kannten er verwahrt Kaffee- und Pausenutensilien. DieMemorie, so Rolshoven in Anlehnung an Utz Jeggle, ist verschwunden.Das zweite Möbelstück, eine reich bemalte Hochzeitstruhe in Rolsho-vens Grazer Arbeitszimmer, hat ebenfalls eine Transformation erfahren,sie fungiert heute als origineller Schreibtisch und ist für die Nutzerinattraktiv in ihrer neuen rollenemanzipatorischen Verwendung. NachSiegfried Giedion sind Möbel Ausdruck grundsätzlicher Einstellun-gen zur Welt; sie bestimmen die Richtung, in der gedacht und gehan-delt wird. Möbel sind also gesellschaftlich und dadurch wandelbar, sierepräsentieren Gefühlsstimmungen einer bestimmten Epoche. Geradehier könne die Volkskunde durch ihr kulturanalytisches Interesse amKonkreten, am Materiellen und Immateriellen und durch das Verbindender Kenntnis der materialen Funktionsweise der Dinge mit den Dis-kursen daran arbeiten, die den Gegenständen innewohnende Memoriehervorzubringen.

Dieter Kramers( Wien/ Frankfurt) Beitrag zum materiellen Natur-verhältnis des Menschen, dem» Naturstoffwechsel«<, galt dem Bemühen,eine Brücke herzustellen zwischen kulturellen Symbolwelten und denmateriellen Welten der politischen Ökologie. Materielle Objekte erzäh-len von den Prozessen der Naturaneignung. Gerade die EuropäischeEthnologie könne sich in der Analyse der kulturellen Konstruktion vonNatur unter Berücksichtigung der materiellen Folgen neue forschungs-leitende Fragen stellen.