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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 1
Stofflichkeit in der Kultur- 26. Österreichische Volkskundetagung
in Eisenstadt, 10.- 13. November 2010
Die volkskundliche Wissenschaft hat viele Liebkinder, eines davon sindDinge. Wichtige Überlegungen und Zugänge hat das Fach in der Ver-gangenheit über Dinge formuliert und im Rahmen der volkskundlichenSachkulturforschung zusammengefasst. Etwa seit Mitte der 1990erJahre wird den Dingen ein verstärktes Interesse entgegengebracht, nichtnur in der Volkskunde als empirischer Kulturwissenschaft, sondern auchin ihren Nachbardisziplinen. Damit verbunden rückt insbesondere dieMaterialität der Dinge und mit ihr die Wissensproduktion an der Naht-stelle von Wissenschaftsgeschichte und Kulturgeschichte ins Zentrumder Aufmerksamkeit. Im Umkreis unseres Fachs sind aktuell insbeson-dere Gottfried Korff, Gudrun König, Martin Scharfe und Anke Te Hee-sen als jene VertreterInnen zu nennen, die relevante Ding- Konzepte,anknüpfend an die Traditionen des Faches, entwickeln bzw. entwickelthaben und diese zum Teil in konzeptionell gedachten Ausstellungen zumGegenstand sinnlicher Erkenntnis machten.
Das Joseph- Haydn- Konservatorium in Eisenstadt beherbergte von11. bis 13. November 2010 die vom Fachverband für Volkskunde unddem Verein für Volkskunde geplante und organisierte 26. Österreichi-sche Volkskundetagung. Der Eröffnungsabend am 10. November wur-de in der Burgenländischen Landesgalerie ausgerichtet, wo neben denSkulpturen aus Stein von Thomas Resetarits die hybriden Arbeiten vonFlorian Lang passend das Tagungsthema rahmten: Seine Collagen ausGegenständen oder Räumen ergaben mit einem flüchtigen Blick wenigSinn; ihre Hintergründigkeit entwickelten sie erst bei genauer Betrach-tung.
Nach der Begrüßung durch Dieter Szorger( Burgenländische Kultur-abteilung) eröffnete Ingo Schneider( Innsbruck) als Fachverbandsvorsit-zender die Tagung. In seinem Einführungsstatement stellte Schneiderbereits die zentralen Begrifflichkeiten bzw. die verschiedenen Konzep-tionen in der Beschäftigung mit den Dingen zur Diskussion. WelchenMehrwert erfährt unser Fach durch das Switchen von» Sachkultur«< zu>> materieller Kultur«? Gudrun König habe gezeigt, dass materielle Kul-tur multiperspektivische Ansätze ermögliche. Das Fach selbst allerdingsbiete insbesondere mit Gottfried Korffs kulturbedeutsamen Auseinan-dersetzung mit 13 Dingen( 1992), mit Martin Scharfes 1996 erschiene-