Jahrgang 
114 (2011) / N.S. 65
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Chronik der Volkskunde

das kuratorische Primat herausfordernden» educational turn« durch dieForderung nach» inclusiveness«< eine Entprofessionalisierung des Muse-umsfeldes befürchtet werde. Entgegen einem anvisierten partizipativenAnspruch musealer Arbeit könnten daraus paradoxerweise institutio-nelle Abgrenzungsbestrebungen resultieren.

Anschließend verwies Wolfgang Kos( Wien Museum) darauf, dass dieMusealisierung von Migration eine Herausforderung für die ganze Mu-seumsarbeit darstelle. In Zukunft sei es desto notwendiger, historischesMaterial mit aktuellen Themen zu verknüpfen, um beispielsweise eineromantisierende Geschichtserzählung durch die Sichtbarmachung mar-ginalisierter oder verdrängter Narrative zu konterkarieren. Dies schließedas>> Neubefragen von Objekten, die längst da sind«( Kos), mit ein.

Daran anknüpfend machte Margot Schindler( ÖMV) darauf auf-merksam, das partizipative Moment in Museen stärker zu betonen. DieMusealisierung von Migrationsgeschichte dürfe nicht in einer Reprä-sentation von außen enden, vielmehr schließe sie eine aktive Mitarbeitvon MigrantInnen mit ein. In diesem Zusammenhang stellte Schindleram Beispiel des ÖMV verschiedene Bereiche( Sammlung, Ausstellun-gen, Vermittlung/ BesucherInnen, Berufsfeld Museum) vor, die einenin Bezug auf Migration und Migrationsgeschichte inkludierenden undpartizipativen Ansatz verfolgten.

Kenan Güngör([ difference;]) kritisierte die Verallgemeinerung desMigrationsbegriffes und den Mangel an geeigneten, präzisen Begriff-lichkeiten, um die Diversität von Migrationen in passenden Termini zufassen. Zudem verwies Güngör auf die Diskrepanz eines partizipati-ven Museumsverständnisses und der realiter ausschließenden Natur desMuseums als( bildungs) bürgerliche Institution. Nach wie vor seien Mu-seen Eliten vorbehalten, die schichtenübergreifend nicht inkludierend,sondern höchstens vereinnahmend handelten.

Daraufhin verwies Aytaç Eryılmaz( DOMID) auf die historischbedingte, pejorative Konnotation des Migrant Innen- Begriffes. Im kol-lektiven Gedächtnis würden MigrantInnen nach wie vor als politischeDissidentInnen, religiöse AbweichlerInnen oder sozialer Ballast wahr-genommen.

Rainer Ohliger( Netzwerk Migration in Europa) betonte ferner, dassdie Beschäftigung mit Migration keine» Wohlfühldebatte<<, sondernvielmehr ein» Vielstimmenkonzert« darstelle. Die entscheidende Fragesei, welche Geschichte von wem für wen erzählt werde. Ohliger plädier-te dafür, Migrationsgeschichte von der Peripherie her zu erzählen. Eine

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