94 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 1
Last but not least befasste sich am Beispiel von zwei Ausstellun-gen(» Gastarbjateri. 40 Jahre Arbeitsmigration« und» Migration. EineZeitreise nach Europa«) Christiane Hintermann( Ludwig Boltzmann In-stitut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit, Wien) in ihremVortrag mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Strategien undNarrativen musealer Repräsentation von Migration. Im Fokus des Vor-trags standen die bereits thematisierten Fragen nach den AkteurInnenund verfolgten Perspektiven von Ausstellungen. Von Interesse war zu-dem die Frage, welche Migrationsgeschichten thematisiert und welchehingegen marginalisiert würden. Die unterschiedlichen Produktions-kontexte der beiden Ausstellungen hätten sich in verschiedenen Reprä-sentationsformen niedergeschlagen. Während» Gastarbajteri« aus einerBottom- up- Initiative hervorgegangen sei, war die Ausstellung» Migra-tion. Eine Zeitreise nach Europa« in ein europäisches Projekt eingebun-den, aus dem auch eine Wanderausstellung hervorging. Gemeinsam warbeiden Ausstellungen das Ziel, Lücken in der regionalen Geschichts-schreibung zu schließen, Migration als einen kontinuierlichen Prozessund anthropologische Konstante der Geschichte darzustellen sowie einBewusstsein für Migration als marginalisierte Geschichte zu schaffen.Damit verbunden war das Bestreben, Gegennarrative zu entwerfen undöffentlich zu machen. Es müsse darum gehen, ImmigrantInnen als akti-ve Subjekte zu repräsentieren und sie nicht als passive Objekte in einervergessenen Erzählung verschwinden zu lassen. Während» Gastarbaj-teri«< Migration als Normalität der Geschichte darstellte, präsentiertedie Ausstellung» Migration. Eine Zeitreise nach Europa«< eine» Stageof Fame<<( Hintermann), in der berühmte» Migrationsnamen«<( Hinter-mann) zu Wort kämen.
In der von Elisabeth Timm( Institut für Europäische Ethnologie,Wien) moderierten Podiumsdiskussion, die ein Scharnier zwischen denVorträgen und dem folgenden Workshop bildete, wurde die Frage nachden kulturpolitischen Dimensionen der Musealisierung von Migrationerörtert. Resümierend hielt Timm fest, dass es, wie die Vorträge deut-lich vor Augen geführt hätten, keine neutrale Sprache in Ausstellungengebe. Die Institution Museum thematisierte Timm in Anlehnung anJames Clifford als» Kontakt- und Konfliktzone«. Das Museum sei inte-ressant für NGOs und MigrantInnengruppen, da es einen Ort darstel-le, in dem es um etwas gehe. Interessant sei daher die Frage, wer bzw.welche Gruppen sich in das museale Feld vorgekämpft hätten. Dies gel-te gleichermaßen für das Publikum. Timm betonte, dass im Zuge des