Chronik der Volkskunde
titutionelle Verankerung von Migrationsgeschichte und MigrantInnensei daher der treibende Motor für die Gründung von DOMID gewesen,dessen Arbeit Eryılmaz resümierend vorstellte. Wie zuvor Andrea MezaTorres verwies der Referent auf die Krise musealer Repräsentation, diein einem selektiven Geschichtsnarrativ zum Ausdruck komme. An diebundesdeutsche Migration ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundertszu erinnern, verstand Eryılmaz als» historisches Erbe der EinwanderIn-nen«<. Diese Erinnerungsarbeit ende nicht in einer Ausstellung, sondernschließe einen interaktiven, beratenden und betreuenden Austausch vonPersonen mit ein, die sich mit dem Thema Migration befassten.
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Cornelia Kogoj und Gamze Ongan( Initiative Minderheiten, Wien)stellten die Ausstellungen» Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigrationnach Österreich«<, die 2004 an mehreren Orten in Wien stattfand, unddas aktuelle Projekt>> Wien Belgrad Zagreb«< vor.» Gastarbajteri«<eine hybride Wortschöpfung aus dem Deutschen und Serbokroati-schen · entstand als interdisziplinäres Projekt, an dem KünstlerInnen,Migrant Innenorganisationen und MigrationstheoretikerInnen beteiligtwaren. Ziel war es, die Geschichte der Arbeitsmigration als Normali-tät zu erzählen. Wie in den vorangegangenen Vorträgen betont, war esder Anspruch der AusstellungsmacherInnen, die aus der öffentlichenErinnerung ausgeblendete Geschichte der( Arbeits-) Migration sichtbarzu machen und im öffentlichen Raum zu positionieren. Daraus ergäbesich die Möglichkeit, Geschichtsbilder und Vorstellungen von Identität,Alterität oder Ethnizität neu auszuhandeln. Mit» Gastarbajteri« sollteMigrationsgeschichte folglich auch aus Sicht der MigrantInnen und desAuswanderungslandes erzählt und das stereotypische Bild des>> männli-chen Gastarbeiters<< aufgebrochen werden. Dies konfrontierte die Aus-stellungsmacherInnen mit der Frage, welche MigrantInnen aus welcherPerspektive repräsentiert würden. Denn Migrationsgeschichte besteheaus heterogenen Biographieerzählungen, die einem vereinfachenden,homogenisierenden Repräsentationsnarrativ eine» fragmentarischeDarstellung«<( Kogoj/ Ongan) entgegensetzten. Ebenso wie>> Gastarbaj-teri<< verfolgte auch das aus dieser Ausstellung entstandene Folgeprojekt» Wien- Belgrad – Zagreb« das Ziel, Migrationsgeschichte an» erleb-baren<< und»> lesbaren«< Orten( Kogoj/ Ongan) zu vermitteln. EinzelneMigrationsbiographien sollten weder als Erfolgs- noch Misserfolgsge-schichten präsentiert, sondern anstelle einer Polarisierung von individu-alisierten Migrationsgeschichten die» Normalität«( Kogoj/ Ongan) vonMigration vermittelt werden.
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