Chronik der Volkskunde
nen und Zuschauer dicht an die Personen heranbringen, sind es Auf-nahmen des Oberwalliser Straßenverkehrs sowie eines Restaurants, dasauf American Western gestylt ist, die eine Ahnung aufkommen lassen,was sich in dieser Landschaft in den letzten Jahren gewandelt hat. Ande-rerseits werden diese Bilder durch SGV- Filmausschnitte aus den 1950erund 1960er Jahren kontrastiert. Dadurch wird evident, dass sich nichtnur die Oberwalliser Lebenswelten gewandelt haben, sondern auch dievolkskundliche Dokumentations- und Vermittlungspraxis. Der Wandeldes Wissens der SGV wird damit im Wandel des Wissens der Gesell-schaft, das seinerseits nicht unabhängig von seiner wissenschaftlichenErforschung existiert, kontextualisiert.
Die Tagung zeichnete ein reiches Bild der SGV und bot im spät-barocken, großẞbürgerlichen Wildt'schen Haus die entsprechende Atmo-sphäre. Auch das üppige Buffet integrierte sich in diese Reichhaltigkeit.Das SGV- Gemälde, welches sich in den Köpfen der Besucherinnen undBesucher festigte, bestach mehr durch die vielen Details denn durch sei-ne Kohärenz als Gesamtkunstwerk. Die SGV wurde auf dem Gemäldeersichtlich als zugleich mit und gegen den Trend arbeitend, als zwischenden Disziplinen und Kategorien forschend, als über Grenzen hinwegund entlang von Grenzen sich vernetzend, als von individuellen Moti-vationen profitierend, als sich stetig wandelnd, als durch Freundschaftengetragen sowie als durch eine Vielzahl von Arbeitsfeldern zusammenge-setzt. Den konkreten historischen Arbeits- und Sichtweisen der SGV,die aus heutiger Sicht leicht zu kritisieren wären, wurde viel Verständnisentgegengebracht. Es wurde deutlich, dass heute noch an diese Prakti-ken angeschlossen werden kann, wenn gleichwohl eine Neuorientierungmöglich ist oder mit anderen Worten: Der Konflikt zwischen den ver-schiedenen Ansprüchen an die SGV wurde diplomatisch ausgetragen.Die Besucherinnen und Besucher dürften ihre persönliche Ansicht, wasaus der SGV werden soll, nicht geändert haben. Die Argumente, wel-che das Oszillieren zwischen Kontinuität und Umorientierung beglei-ten, dürften dank der Tagung aber vielfältiger und spezifischer gewordensein. Wenn schon nicht die SGV selbst, so bekommt damit doch die Dis-kussion, wohin es mit ihr gehen soll, neuen Schwung.
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Michel Massmünster
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