Jahrgang 
114 (2011) / N.S. 65
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80 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 1

sowie verschiedene Veranstaltungen sind. Er stellt das Museum als Er-lebnisort ins Zentrum seiner Überlegungen. Wichtig sei überdies, einenErzählstil zu definieren, der dann als Alleinstellungsmerkmal des Ortesfunktioniert. Das Museum soll innerhalb klarer Strukturen Geschich-ten erzählen und keine Angst vor» dem Einfachen«< haben. Der Menschsteht im Mittelpunkt der Ausstellungskonzeption, daher sollen auchAngebote für» Erlebnis und Spaß« vorhanden sein. Messerli unterlegtdiesen Zugang mit einem Ausstellungsprojekt über Briefmarken. DieKernidee der Präsentation war eine Auseinandersetzung mit der Erzähl-kraft der Briefmarken als Bildträger. Überdimensionale Teaser wurdenproduziert, um Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Am Beginnder Ausstellung wurde eine Briefmarkenwelt aufgebaut, an einer Abbil-dung von Alphornbläsern vorbeigehend, hörte man entsprechende Mu-sik. Die Schau sei ein Erfolg gewesen, so Messerli, Philatelisten habeman explizit nicht als Zielgruppe definiert.

Felicitas Heimann- Jelinek weist auf die spezielle Situation eines Jüdi-schen Museums in der Museumslandschaft hin. Das Museum, in demsie tätig ist, funktioniert als Ort der Aufklärung und Verunsicherungder Ort an sich ist ein Narrativ. Dass Museen zunehmend ins Span-nungsfeld der Kultur- und Finanzpolitik geraten, ist nachvollziehbar,Heimann- Jelinek spricht hier von» staatlicher Hegemonie«<. Aber auchdie jüdische Gemeinschaft selbst übt Druck auf den Identitätsort Muse-um aus. Auch das gehört zur Erzählung über das jüdische Leben, so dieChefkuratorin des Jüdischen Museums Wien.

Annette Kruszynski von der Kunstsammlung Nordrhein- Westfalenin Düsseldorf ging in ihrer Präsentation nach einer Beschreibung derbeiden Standorte K20 und K21 besonders auf den Bereich der Interak-tion im Museum ein. Die Abteilung Bildung hat einen eigenen Ausstel-lungsraum zur Verfügung, in dem unter dem Titel» Labor<< alternativeVermittlungsangebote stattfinden.

Harald Meller, Direktor des Landesmuseums für VorgeschichteHalle, trug in seinem inspirierenden Vortrag wesentlich zu der abschlie-Benden Diskussion bei. Er sucht in seinen Konzeptionen nach neuengestalterischen Wegen und ermöglicht innerhalb der Ausstellungenmehrere Erzählungen. Dabei wird auf das filmische Prinzip der Schnit-te verwiesen und den archäologischen Artefakten in der permanentenSchau das Medium» Comics« zur Seite gestellt. Er kalkuliert mit derleichteren Assoziierbarkeit vergangener Lebenswelten in der Koppelungmit gegenwärtigen Schaugewohnheiten. Das funktioniert jedenfalls für