Jens Wietschorke, Nationale Selbstheiligung und politische Kultur: Die Wiener Votivkirche
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Diese Wappenreihe belegt den umfassenden Herrschaftsanspruch desKaiserhauses ebenso wie die Idee eines einmütig hinter dem Monarchenund seiner Denkmalkirche stehenden Reichsverbandesim Sinnedes kaiserlichen Mottos» Viribus Unitis!«<, das die Reihe an der südli-chen Langhauswand eröffnet. 32 Die in der Revolution, den Sezessions-bewegungen und letztlich wohl auch dem Attentat selbst zum Ausdruckgekommene Krise des Reiches bleibt hier freilich ausgeblendet.
Auch die Glasfenster der Votivkirche vermittelten bis zu ihrer Zer-störung im Zweiten Weltkrieg ein ausgefeiltes ikonographisches Pro-gramm, in dem sich» christliches Heilsgeschehen und Herrscherpropa-ganda unaufhörlich miteinander verschränkten«.33 Als leuchtendes>> Bil-derbuch<< der Geschichte eines christlichen Österreich – einer>> wahrenAustria Sancta<< 34 erfüllten sie ersatzweise die Funktion der nie reali-sierten» Ruhmeshalle«. So verknüpfte etwa das sogenannte» Kronprin-zenfenster<< eine Darstellung des Kronprinzen Rudolf mit seinen dreiSchwestern Gisela, Sophie und Marie Valerie mit einem Bild der Hei-ligen Familie mit Elisabeth, Zacharias und Johannes dem Täufer.35 An-dere Fenster versinnbildlichten vor allem die Einheit und Geschlossen-heit der Monarchie, wie beispielsweise das Ferdinand- Max- Fenster, dasden Erzherzog und späteren Kaiser von Mexiko im Ornat des HeiligenVlieses zeigte, umringt von den als Mädchen in wappengeschmücktenKleidern dargestellten Nationen des Reichs. 36 Weitere Mitglieder derkaiserlichen Familie und anderer Stifterfamilien waren zusammen mitihren heiligen Namenspatronen in den Glasfenstern zu sehen. In die-
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Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- undNieder- Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnen-berg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark; Grosswo-jwod der Wojwodschaft Serbien etc.<<. Zit. nach dem Militär- Schematismus desÖsterreichischen Kaiserthumes für 1863. Wien 1863, S. 7.
Eine ähnliche Behauptung findet sich in der weithin sichtbaren Inschrift an derBurggartenfassade der Neuen Hofburg, wo es beschwörend heißt:>> His AedibusAdhaeret Concors Populorum Amor«-» An diesen Bauten haftet die einmütige Lie-be der Völker<<.
Telesko( wie Anm. 9), S. 93.
Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen.Wien 1948, S. 196.
35 Vgl. Claudia Mallinger: Die Votivkirche. Diplomarbeit Universität Wien 2008,
S. 71.
36 Ebd., S. 70.
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