Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Schwell, Alexandra: Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

  
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Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung
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Alexandra Schwell, Zur De/ Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

3. Schlussbemerkung

Die osteuropäischen Mitgliedsstaaten der EU haben zu lange als West-europas>> Andere<< fungiert, als dass diese Wahrnehmung leicht zu ändernwäre. Zudem sind Überbleibsel von Österreichs historischer Rolle alsregionale Kolonialmacht sowie das Muster des» Frontier Orientalism<<tief in der Alltagskultur verankert. Dies erklärt, warum die Securitizationder Schengenerweiterung in Österreich bei weitem erfolgreicher war alsihre Desecuritization. Die Idee vom» Osten«< als der» anderen«< oder sogar>> dunklen<< Seite ist in die kollektive Identität des» Westens«< eingeschrie-ben, wie Eder meint:» In this sense, the East reflects the ambiguity ofthe West regarding Europe.«< 66 Entsprechend ist die Securitization des>> Ostens<< als Sicherheitsbedrohung nicht nur leichter für politische undandere Zwecke zu instrumentalisieren, sondern sie ist auch weit über-zeugender als ihr Gegenstück, die Desecuritization.

Die Strategie der Desecuritization war eine logische Entscheidungfür das Innenministerium, die aus den veränderten Rahmenbedingungenresultierte, nach dem Motto:» Der Osten ist nicht weniger gefährlichals zuvor, aber jetzt wird er besser kontrolliert.<«< Die Boulevardblätterkonterten mit» Der Osten ist genauso gefährlich wie zuvor, aber jetztwird er nicht einmal mehr kontrolliert!<< Die Strategien von Boulevard-presse und Innenministerium, die zuvor im Einklang waren, driften nunzusehends auseinander. Zudem sprechen die Boulevardblätter den Er-fahrungshorizont der Zielgruppe weit besser an als es das Ministeriumkann; der neue Kontext unterstützt keine Kongruenz der Lebensweltder Bevölkerung und der Äußerungen der politischen Akteure. Dem-entsprechend erscheinen die politischen Akteure nicht sehr glaubhaft,wenn sie diejenigen umarmen, die sie zuvor jahrelang verteufelt hattenwenn auch lediglich im Bereich der inneren, und hier vor allem dersubjektiven Sicherheit. Die offiziellen Beziehungen der jeweiligen Staa-ten und die deklariert freundschaftlichen Beziehungen stehen auf einemanderen Blatt und unterstreichen den nach innen gerichteten Charakterder Securitization.

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Die Asymmetrie von Ost und West lässt sich auf lange Sicht wohlnur dann überwinden, wenn sich der» Osten«< als mentale Kategorie und

66 Klaus Eder: Europe's Borders: The Narrative Construction of the Boundaries ofEurope. In: European Journal of Social Theory 9, 2, 2006, S. 255-271, S. 265.

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