Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Schwell, Alexandra: Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

  
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Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung
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46 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 1

Nachbarn nicht mehr als Nachzügler und Paradies für Kriminelle darge-stellt werden. Um Legitimität und Glaubwürdigkeit zu sichern, musstedas Ministerium den Kurs ändern. Desecuritization bedeutet hier aller-dings nicht die Rückführung der Thematik in den Bereich der normalenpolitischen Handlungsabläufe. Die außerordentlichen Maßnahmen sindweiterhin vorhanden. Das Ziel der Desecuritization- Strategie des Minis-teriums ist demnach nicht die Abschaffung der Maßnahmen, sonderndie Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf prestigeträchtigere Themen zulenken. Die Sicherheitsbedrohungen selbst sind also nicht transformiert,sondern gemanagt worden; sie werden weiterhin als Sicherheitsthemengerahmt. Das hätte vielleicht sogar funktionieren können, wenn da nichtdie Boulevardpresse gewesen wäre.

Die Strategie der Boulevard medien

Die Strategie der Boulevardblätter» Österreich« und»> Kronen Zei-tung<< direkt vor und nach der Erweiterung unterschied sich stark vonder des Innenministeriums. Die Boulevardblätter appellierten an tiefverwurzelte Ängste vor Kriminalität aus dem Osten und warnten, dieGrenzöffnung sei regelrecht unverantwortlich. Dementsprechend titel-te»> Österreich«< am 21.12.2007:» Wir sind grenzenlos!<< Dieser erfreu-te Ausruf wurde jedoch sogleich durch die Unterzeile relativiert:» DasSchöne daran: Wir haben 80 Millionen neue Nachbarn. Das Schlechte:22% mehr Einbrüche und 57% mehr Lkws«<. Dieselbe Zeitung warntekurze Zeit später vor 6000 dreisten Tschetschenen, die, nachdem die>> Grenz- Öffnung« einen» Asyl- Sturm aus Polen« entfesselt habe, nunbequem von dort» mit dem Taxi in das Lager« führen( 3.01.2008). Sieflüchteten also in österreichische Asylzentren, die anscheinend bedeu-tend komfortabler seien als die polnischen, und wo sie planten, auf Kos-ten österreichischer Steuerzahler zu leben.

Auch Österreichs größte Boulevardzeitung» Kronen Zeitung<<schrieb am Vorabend der Erweiterung:» Die Ostgrenzen fallen, aber dieÄngste bleiben«( 20.12.2007). Der Artikel zeichnet ein düsteres Bild:>> Gerade bei Einbrüchen und Überfällen stieg der Anteil der grenzüber-schreitenden Täter zuletzt alarmierend. Im Gegenzug dazu preisen Waf-fenhändler bereits ihre Gewehre als Mittel zur Selbstverteidigung an.Klingeln die Kassen bei Sicherheitsfirmen, die Alarmanlagen und Video-überwachungen anbieten. Und errichten Hausbewohner private Schutz-wälle<<. Wohin die leichtfertige Öffnung der Grenzen zum Osten führt,