Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Schwell, Alexandra: Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

  
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Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung
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Alexandra Schwell, Zur De/ Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

- kognitives Muster, das durch Selbstgefälligkeit und ein starkes Über-legenheitsgefühl gegenüber den( vornehmlich östlichen) Nachbarstaatenund der eigenen Migrationspopulation charakterisiert sei, jedoch aus>> Erschütterungen des österreichischen Selbstbewußtseins«< 50 herrühre.Mantl datiert das Auftreten des Austrochauvinismus auf Mitte der 1980erJahre und beobachtet auch die gleichzeitige Entwicklung eines anderenmentalen Habitus', sozusagen der anderen Seite der Medaille: einen mitSelbstzweifeln durchsetzten und vornehmlich bei Intellektuellen anzu-treffenden Austromasochismus. Die stereotype Imagination des» homoaustriacus«<, aus dem» ein österreichisches( Staats-) Volk kulturessentia-listisch hergeleitet«< 51 wird, liefert in literarischen, politischen und All-tagsdiskursen hierfür Legitimation und Unterfütterung.

Es liegt nahe, dieses kognitive Muster mit dem bereits beschriebe-nen österreichischen» Frontier Orientalism« im Zusammenhang zu set-zen, der als tief verankerter Teil der populären Kultur gleichfalls signi-fikanten Einfluss auf die politische Kultur sowie politische Sichtweisen,Kampagnen und Entscheidungen, beispielsweise zu Migration und EU-Erweiterung, ausübt.52 Der Eindruck vom Belagerungszustand wird da-mit verstärkt, ja, mittlerweile wähnt man sich vielmehr von allen Seitenumzingelt. Die» gelernten Österreicher«<, so Johler und Tschofen, befän-den sich in einer» Situation, in der durch den EU- Beitritt und einen mas-siven Entstaatlichungsschub die> Welt draußen<( so der ehemalige Bun-deskanzler Bruno Kreisky) wie auch die nationale Wir- Gemeinschaftneu geordnet werden müssen«.53

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Ebd., S. 55.

Karin Liebhart, Martin Reisigl: Die sprachliche Verfertigung des» österreichischenMenschen<< bei der diskursiven Konstruktion nationaler Identität. In: Bundesminis-terium für Wissenschaft und Verkehr( Hg.): Ästhetik und Ideologie: Klagenfurt,3.- 4. Oktober 1996. Aneignung und Sinngebung: Salzburg, 10.- 11. Oktober 1996.Abgrenzung und Ausblick: Wien, 25. Oktober 1996( Grenzenloses Österreich: Do-kumentation; 5) Wien 1997, S. 139–161, S. 158.

52 Vgl. Sabine Strasser: Europe's Other. Nationalism, transnationals and contestedimages of Turkey in Austria. In: European Societies 10, 2, 2008, S. 177–195.Reinhard Johler, Bernhard Tschofen:» Gelernte Österreicher«. Ethnographischeszum Umgang mit nationalen Symbolen. In: Beate Binder, Wolfgang Kaschuba, Pe-ter Niedermüller( Hg.): Inszenierung des Nationalen. Geschichte, Kultur und diePolitik der Identitäten am Ende des 20. Jahrhunderts. Köln, Weimar, Wien 2001,S. 186-208, S. 203 f.

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