40 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 1
Es sind jedoch nicht nur die Bewohner der Grenzregionen, die sichdurch die überwältigende Menge an» Osten«< hinter ihren Grenzen be-droht fühlen. Die Lage» am Rande einer Gewitterzone«<, wie sich derehemalige österreichische Außenminister Alois Mock ausdrückte, 46 warin besonderer Weise dazu geeignet, in der Bevölkerung Ängste vor demEinfluss organisierter Kriminalität, der Abwanderung von Arbeitsplät-zen sowie der Konkurrenz von Billigarbeitskräften und-produkten zuschüren.47
Die Bevölkerung im Belagerungszustand
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Der Wahlerfolg der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Öster-reichs( FPÖ) im Jahr 1999 sowie die darauffolgende Regierungsbeteiligungtrug diesen Ängsten Rechnung und führte zu Protesten in ganz Europa.*Dessen ungeachtet setzt sich die Erfolgsgeschichte der beiden rechtspopu-listischen Parteien FPÖ und BZÖ( Bündnis Zukunft Österreich) fort: Inden Nationalratswahlen des Jahres 2008 erhielten die FPÖ 17,5%( 2006:11%) und das BZÖ 10,7%. Fast ein Drittel der österreichischen Wahlbe-rechtigten haben demnach ihr Kreuz bei rechtspopulistischen Parteiengemacht; dies ist ein Zuwachs von 13,1% in nur zwei Jahren. Ihre popu-listische, antisemitische und antiislamische Programmatik erscheint dabeiweiten Teilen der Bevölkerung kaum fragwürdig, im Gegenteil.
Dieses mentale Disposition ist u.a. von Mantl49 als Austrochauvinis-mus beschrieben worden, als ein angeblich spezifisch österreichisches
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Zit. n. Otmar Höll: European Evolution and the Austrian Security Perspectives. In:Paul Luif( Hg.): Security in Central and Eastern Europe. Problems- Perceptions-Policies. Wien 2001, S. 447-476, S. 462.
47 Vgl. Ruth Wodak, Bernd Matouschek:> We are Dealing with People Whose OriginsOne can Clearly Tell Just by Looking<: Critical Discourse Analysis and the Studyof Neo- Racism in Contemporary Austria. In: Discourse& Society 4, 2, 1993, S.225-248.
48 Vgl. Matthew Happold: Fourteen against One: The EU Member States' Responseto Freedom Party Participation in the Austrian Government. In: The Internationaland Comparative Law Quarterly 49, 4, 2000, S. 953–963.
49 Wolfgang Mantl: Österreich und die Schweiz: Wandlungen einer Nachbarschaftsbe-ziehung. In: Heinz Schäffer, Friedrich Koja( Hg.): Staat—– Verfassung – Verwaltung.Festschrift anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. DDr. DDr. h.c. Friedrich Koja.Wien, New York 1998, S. 39-68. Der Begriff hat jedoch eine weite und unabhängigeVerbreitung nicht zuletzt im Feuilleton gefunden.