Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Schwell, Alexandra: Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

  
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Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung
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38 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXV/ 114, 2011, Heft 1

2.2. Das Publikum: Eine Bevölkerung im Belagerungszustand

Ob eine Securitization von Erfolg gekrönt ist, hängt in hohem Maßedavon ab, ob die Zielgruppe sich der kolportierten Sichtweise anschließt,und ob sie den Eindruck hat, dass eigene perzeptive Erfahrungen wider-gespiegelt werden. Der Akteur wiederum muss moralisch wie formelldie Unterstützung seines Publikums gewinnen. Balzacq identifiziert diefolgenden Komponenten als für eine Securitization relevante Faktoren:»( i) the audience's frame of reference;( ii) its readiness to be convinced,which depends on whether it perceives the securitizing actor as knowingthe issue and as trustworthy; and( iii) its ability to grant or deny a formalmandate to public officials«. Im Folgenden wird gezeigt, dass das Publi-kum in Bezug auf eine Konstruktion einer» östlichen«< Bedrohung durchdie Selbstwahrnehmung als Land und Bevölkerung im Belagerungszu-stand charakterisiert ist.

Das Land» am Rande einer Gewitterzone<<

Die gemeinsame Geschichte im Habsburgerreich zieht nicht auto-matisch ein enges Band zwischen Österreich und seinen osteuropäischenNachbarn nach sich. Zwar treten Akteure aus den Reihen der österrei-chischen Politik häufig als Mediator und Anwalt der ost- und südosteu-ropäischen Interessen auf und betonen dabei die räumliche, besondersjedoch die historische Nähe; das Verhältnis erscheint so als quasi- na-türlich. Dies bezieht sich jedoch vornehmlich auf offizielle Beziehungenund findet in der öffentlichen, in erster Linie medialen, Rezeption kaumeinen Widerhall. Hier wird das gemeinsame Erbe in weiten Teilen igno-riert, wogegen Alterität und die Sicherheitsthematik betont werden. Dasdominante Narrativ ist das eines Landes im Belagerungszustand. Nunsind Sicherheitsbefürchtungen entlang einer Wohlstandsgrenze nichtsUngewöhnliches. Insbesondere strukturschwache Regionen sind anfäl-lig für aus Veränderungen resultierende Unsicherheiten und moralischePanik, die von einigen Medien dankbar geschürt wurden. MoralischePanik wird von Hall et al. wie folgt definiert:

>> When the official reaction to a person, groups of persons or seriesof events is out of all proportion to the actual threat offered, when> ex-

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Balzacq( wie Anm. 18), S. 192.