Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde114 (2011) / N.S. 65Schwell, Alexandra: Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

  
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Zur De/Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung
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Alexandra Schwell, Zur De/ Konstruktion des Ostens als Sicherheitsbedrohung

tradition for a population inclined to regard it as the originating sourceof the blessings the country had enjoyed since the end of the SecondWorld War«<, 39

Zum zweiten war Österreich von dem Systemwechsel in Osteuropain besonderer Weise betroffen. Vier der acht Anrainer sind postsozialis-tische Staaten: Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Allevier waren zudem Teil des Habsburgerreiches. Aufgrund dieses gemein-samen Erbes und der, zumindest teilweisen, Stellung als ehemals regio-nale Kolonialmacht fühlen sich österreichische Politiker gerne für dieseLänder mitverantwortlich; diese Einstellung kann jedoch auch schnellin Paternalismus umschlagen. Eine zweite Implikation des geopolitisch-historischen Erbes ist Österreichs Funktion und Selbstbild als germani-sches Bollwerk, getragen von einem tradierten» Frontier Myth of Orien-talism<< 40. Dieses kognitive Muster ging der Konzeption von Österreichals>> Brücke<< voraus und ist, wie Gingrich zeigt, tief in der österreichi-schen Alltagskultur verwurzelt.41 Entsprechend formte die geopolitischePosition auch Österreichs Sicherheitsidentität und-wahrnehmung. Un-mittelbar nach dem Systemwechsel in Osteuropa bestanden Befürch-tungen, dass Österreich direkt von eventuellen politischen und/ oderethnonationalen Verwerfungen in der Nachbarschaft in Mitleidenschaftgezogen werden könnte. Dies bezog sich vor allem auf den Konflikt inJugoslawien und veranlasste Österreich, zu Beginn der 1990er Jahre alsAnwalt Sloweniens und Kroatiens im Westen aufzutreten.

Diese drei Kontextfaktoren formen den Referenzrahmen, durch dendie Bevölkerung( das Publikum) die Äußerungen der Akteure zum The-ma Sicherheit im Verlauf von EU- und Schengenbeitritt von Österreichspostsozialistischen Nachbarstaaten interpretiert.

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Laura C. Ferreira- Pereira: Inside the Fence but Outside the Walls: Austria, Finlandand Sweden in the Post- Cold War Security Architecture. In: Cooperation and Con-flict 41, 1, 2006, S. 99-122, S. 111.

Andre Gingrich: Frontier Myths of Orientalism: The Muslim World in Public andPopular Cultures of Central Europe. In: Bojan Baskar und Borut Brumen( Hg.):MESS: Mediterranean Ethnological Summer School Piran/ Pirano Slovenia 1996.Ljubljana 1998, S. 99–127.

Vgl. die Beiträge in John Bunzl und Farid Hafez( Hg.): Islamophobie in Österreich.Innsbruck, Wien, Bozen 2009.

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