Zur De/ Konstruktion des Ostensals Sicherheitsbedrohung1
Alexandra Schwell
Die Abschaffung der stationären Grenzkontrollen imZuge der Schengenerweiterung wurde auf Seiten der altenMitgliedsstaaten ambivalent aufgenommen. Schnell ertön-te der Ruf nach Ausgleichsmaßnahmen, da mit dem Abbauder Grenzen zu den osteuropäischen Staaten gleichzeitigalte Ängste und Bilder vom» Osten«< als Herkunftsregiongrenzüberschreitender Kriminalität wiederbelebt wurden.Mit Blick auf das Konzept der Securitization untersuchtder Text die Frage, wie sicherheitspolitische, sicherheits-praktische Akteure und die Boulevardmedien in Öster-reich auf die Herausforderung der Schengenerweiterung2007 reagieren und argumentiert, dass die Konstruktionvon Sicherheitsbedrohungen von unterschiedlichen Ak-teuren instrumentalisiert werden kann.
In der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 2007 sind die Land- undSeegrenzen zwischen der Schengenzone und den acht osteuropäischenStaaten, die am 1. Mai 2004 der Europäischen Union beigetreten sind,gefallen. Mit dieser vollständigen Übernahme des Schengen- Acquis wa-ren auf beiden Seiten nicht allein Hoffnungen, sondern auch Befürch-tungen verbunden. Für Bevölkerung, Politik und Medien derjenigenStaaten der EU, welche zuvor die östliche Grenze des Schengenraumesvor 2007 darstellten, ist die Abschaffung der Grenzkontrollen zu denöstlichen Nachbarn nicht allein eine technische, sondern vor allem einehöchst emotionale Angelegenheit. Das Bild vom» Osten<< als wenig ver-trauenswürdig, bedrohlich und fundamental anders als eine imaginier-
1 Der Artikel basiert auf einem Vortrag, den die Autorin am Institut für Sozialan-thropologie( ISA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmender ISA Guest Lecture gehalten hat( Wien, 4. März. 2010).