Jens Wietschorke, Beziehungswissenschaft
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versuche empirisch brechen und ihnen einen beharrlichen» Widerstanddes Wirklichen<< entgegenhalten.59 Zum anderen aber sollte überhauptin dem Konstruktionscharakter von Kontexten nicht nur ein Problemgesehen werden. Denn hier lag schon immer eine Möglichkeit, politi-sche Relevanzstrukturen herzustellen, was mit Beliebigkeit eben dannnicht zu verwechseln ist, wenn man sich dieser Tatsache ausreichendbewusst ist.60 Anders als die» exakten«< Wissenschaften können undsollten die Kulturwissenschaften und nicht zuletzt die durch ihreproblematische Wissenschaftsgeschichte sensibilisierte EuropäischeEthnologie zu ihrer Rolle als politische Deutungsinstanz stehen.Oder, um es mit dem einstmals von Helge Gerndt zitierten Physi-ker Hans- Peter Dürr zu sagen:» Nicht exakt zu sein, ist die einzigeChance, auch einmal etwas Relevantes zu machen«.61 Die nicht exakteKulturwissenschaft so Sabine Eggmann konturiert sich deshalbzu Recht als>> theoretisierende Gesellschaftsanalyse, selbstreflexiveGesellschaftskritik und moralisch- normative Gesellschaftspraxis<<. 62Ihre Plausibilisierungsstrategien sind anfechtbar und müssen es sein,insofern eben Wissen nicht anders denn als situiertes, interessenge-leitetes Wissen zu haben ist. Auch hier können sich nach wie vor dieStärken des Faches als einer reflexiven» Dialogwissenschaft« 6³ erwei-und nicht wenige der bisherigen Fachdebatten zeigen, dass hierüber die Politizität und gesellschaftliche Relevanz der Kontextkon-struktion mehr nachgedacht wurde als anderswo. Natürlich aber benö-
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59 Nach dem Titel von: Maase, Warneken( wie Anm. 38).
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Mit den Worten Lawrence Grossbergs:» Der Kontext eines partikularen For-schungsprojekts ist nicht zuvor empirisch gegeben; er muß durch das Projekt,durch die politische Frage, die am Spiel[ sic] steht, definiert werden. Der Kon-text kann so eng wie eine Nachbarschaft zu einem bestimmten Augenblick odereine städtische Region oder vielleicht sogar eine örtliche Hauptschule sein, dieRassenprobleme hat, oder er kann so weitläufig wie der globale Kapitalismusnach dem Kalten Krieg sein. Bündig formuliert: Für die Cultural Studies ist derKontext alles, und alles ist kontextuell«<. Lawrence Grossberg: Die Definition derCultural Studies. In: Lutz Musner, Gotthart Wunberg( Hg.): Kulturwissenschaf-ten. Forschung- Praxis- Positionen. Wien 2002, S. 46-68, hier S. 61.
Zit. nach Helge Gerndt:» Theoretische Konzepte der Europäischen Ethnolo-gie«<. Nachfragen- Einwände- Thesen. In: Günter Wiegelmann: TheoretischeKonzepte der Europäischen Ethnologie. Diskussionen um Regeln und Modelle.2. erw. Auflage Münster 1995, S. 215-227, hier S. 226.
62 Eggmann( wie Anm. 9), S. 255.
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Lindner( wie Anm. 10), S. 15.
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