Jens Wietschorke, Beziehungswissenschaft
stecken, ein Schuss» Spür- Sinn« 54 notwendig sein, um solche Bezügeherzustellen jedenfalls dienen diese dazu, plausibel zu machen, woein kulturelles Phänomen in der Gesamtheit der Phänomene situiertwerden kann. In eben dieser Situierungsarbeit steckt das Geheimnisdessen, wie unbedeutende» mikropolitische« Handlungen» makro-politisch<< bedeutsam gemacht werden können. 55 Wir benötigen dazukulturanalytische Beziehungsbegriffe: einen konsistenten Feldbegriffsowie ein konsequent- inkonsequentes Denken in Konstellationen undKonfigurationen. Wir müssen diachron und seriell denken, also einPhänomen durch die Zeiten hindurch verfolgen, um zu sehen, wie sichsein Bedeutungsgehalt mit unterschiedlichen zeitgebundenen sozialenGebrauchsweisen ändert. Wir müssen feldübergreifend denken, umKulturthemen und Epochensignaturen im Bezug auf das untersuchtePhänomen auszumachen. Und wir müssen in Inversionen denken, umdas Phänomen im Lichte seines tatsächlichen oder scheinbarenGegenteils betrachten zu können.56 Dabei müssen wir uns darüber imKlaren sein, dass uns die Empirie von sich aus nur bedingt Auskunftdarüber gibt, wie ihr Kontext zu bestimmen ist. Wenn wir unser Netzaus Bedeutungsbeziehungen um die Dinge spannen, dann folgen wirzwar den Spuren, auf die uns unser Feld hinweist, vor allem aber kon-struieren wir tatsächlich- im Sinne Hayden Whites und von>> writingculture<< einen plausiblen Zusammenhang, der vorher noch nicht dawar. Eben deshalb aber kann er auch etwas sichtbar machen, was vorhernoch nicht zu sehen war etwa, was das Tübinger Pfeifen anno 1946mit der Geschichte proletarischer Äußerungs- und Entäußerungsfor-men, politischen Protests und kultureller Repräsentation zu tun hat,warum das Pfeifen eben weder Sprechen noch Singen ist, und wie nochim unscheinbarsten Pfiff die Kulturgeschichte eines Schlüsselsymbols
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Lindner( wie Anm. 16).
Zu Mikro- und Makropolitik vgl. Oliver Marchart: Cultural Studies. Konstanz2008, S. 13.
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Diese knappen Hinweise folgen Überlegungen Rolf Lindners, der mit Nach-druck auf die Notwendigkeit kulturanalytischer Beziehungsbegriffe und desDenkens in Beziehungen überhaupt- hingewiesen hat. Vgl. u.a. Rolf Lindner:Von der Feldforschung zur Feld- Forschung. In: Klara Löffler( Hg.): Dazwischen.Zur Spezifik der Empirien in der Volkskunde. Hochschultagung der DeutschenGesellschaft für Volkskunde in Wien 1998. Wien 2001, S. 13-16; Ders.( wieAnm. 9 und Anm. 16).
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