Aufsatz in einer Zeitschrift 
Beziehungswissenschaft : ein Versuch zur volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Epistemologie
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Jens Wietschorke, Beziehungswissenschaft

charakterisieren, als es zum einen auf den gemeinschaftlich organisier-ten und gemeinsam zu bewältigenden Alltag der mittleren und unterensozialen Schichten in einem räumlich begrenzten Ausschnitt zielt, zumanderen eine Ausweitung des Gegenstandsbereiches auf die illegitimenkulturellen Produkte im Sinne des» weiten Kulturbegriffs«< markiert.Dabei sind drei Ebenen der Thematisierung des Banalen auszumachenund zu unterscheiden: Erstens geht es wissens- und wissenschaftsge-schichtlich um die strategische Aufwertung von Alltagsphänomenenzumal gegenüber der Strukturgeschichte und Soziologie, zweitens umdas erkenntnistheoretische Motiv, dass noch das kleinste Phänomengesellschaftlich vermittelt ist und somit ein Indiz bzw. eine Quelle fürdie Erschließung von Makroprozessen darstellt, und drittens um dasmethodologische Problem, dass besonders qualitative Zugänge nur sehrbegrenzte Wirklichkeitsausschnitte erfassen können und daher auf be-stimmte Techniken angewiesen sind, diese Ausschnitte» bedeutsam<<zu machen. In diesem Sinne liegt das» Banale« in dreifacher Hinsichtim Zentrum der volkskundlich- kulturwissenschaftlichen Epistemolo-gie. Doch ist alles Banale deshalb schon volkskundlich interessant? InsNachdenken bin ich gekommen, als ich zwei vor über 15 Jahren erschie-nene Aufsätze Konrad Köstlins wiedergelesen habe. Dabei handelt essich zum einen um Köstlins in dieser Zeitschrift erschienene WienerAntrittsvorlesung von 1995, in der er als Belege für seine Thesen zurneuen Reflexivität von Volkskultur und die» Kulturalisierung der Le-benswelten<«< eine Reihe von Materialbeispielen anführt.20 In diesemZusammenhang ist die Rede von T- Shirts, Zigaretten, Erdäpfelsalatund US- Piloten, ganz besonders aber von Waschlappen in rosé undblau. Es ist an dieser Stelle nicht notwendig, Köstlins feine Argumenta-tion wiederzugeben, hervorheben möchte ich aber seinen Hinweis, dasshier beim Thema Waschlappen ein bisher unbeachtetes Forschungsfeldzu beackern sei: Eine» reich facettierte und dennoch runde Kulturge-schichte von Sauberkeit und Körpererfahrung« ließe sich hier entwi-ckeln,» genaue empirische Enquêten« könnten dann» herausarbeiten,daß die Waschlappen durchaus nicht überall außer Gebrauch gewesenwaren, sondern auch heute[...] vielfach in Benutzung sind«. Weiter-

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Konrad Köstlin: Lust aufs Ganze. Die gedeutete Moderne oder die Moderneals Deutung Volkskulturforschung in der Moderne. In: Österreichische Zeit-schrift für Volkskunde 98, 1995, S. 255-275.

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