Aufsatz in einer Zeitschrift 
Beziehungswissenschaft : ein Versuch zur volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Epistemologie
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Jens Wietschorke, Beziehungswissenschaft

ran festhalten, dass sich in der epistemologisch gebundenen Kombina-torik und Perspektivierung von Theorien und Methoden so etwas wieeine distinkte» kognitive Identität« dieses Faches zeigt.14

Die Lust am Banalen als Basis kulturwissenschaftlicherEpistemologie?

Damit zurück zur Ausgangsfrage: Wie lässt sich der disziplinäreDenkstil der Volkskunde/ Europäischen Ethnologie wenn nicht prä-zise bestimmen, so doch argumentativ einkreisen? Dazu möchte ichzunächst ein altes Dauerthema der volkskundlichen Selbstverstän-digungsdiskussion aufgreifen: nämlich das Interesse an den kleinenBanalitäten des Alltags. Diesbezüglich kursiert eine ganze Reihe vonBonmots, die herangezogen werden, um auf die spezifische Rolle desMarginalen und Nebensächlichen in der Forschungspraxis anzuspie-len: von Boisserées» Andacht zum Unbedeutenden« über Riehls For-mel von» Rock und Kamisol« und Warburgs» Der liebe Gott stecktim Detail<< bis hin zu der Wendung Sigfried Giedions, auch im Kaf-feelöffel spiegele sich die Sonne. Das Interesse am Detail istMartin Scharfe-» von Anfang an ins Fach eingeschweißt«. Und inder Tat wäre es» vielleicht nicht die unwitzigste Geschichte unseresFaches, die aus einer Abfolge der Ritterstreiche und Adelungsversu-che des Bagatells bestünde«. 15 Auch in einer der letzten Ausgaben derZeitschrift für Volkskunde ist wieder ein Beitrag erschienen, der füreine>> Rückgewinnung« der» Andacht zum Unbedeutenden<< plädiert. 16Rolf Lindner unternimmt hier den Versuch, den vielen allgemeinenBeschwörungen des Nebensächlichen endlich einmal eine methodolo-gische Handreichung folgen zu lassen und danach zu fragen, wie wir inunserer Forschungspraxis mit dem so hoch gepriesenen signifikanten

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SO

14 Vgl. dazu schon Walter Leimgruber: Zwischen Utopie und Empirie. Plädoyerfür eine gezieltere Nutzung der volkskundlichen Stärken. Impulsreferat für dieSchluẞdiskussion. In: Klara Löffler( Hg.): Dazwischen. Zur Spezifik der Empiri-en in der Volkskunde. Wien 2001, S. 131-138, hier S. 135.

15

16

Martin Scharfe: Bagatellen. Zu einer Pathognomik der Kultur. In: Zeitschrift fürVolkskunde 91, 1995, S. 1-26, hier S. 21.

Rolf Lindner: Spür- Sinn. Oder: Die Rückgewinnung der» Andacht zum Unbe-deutenden«<. In: Zeitschrift für Volkskunde 107, 2011, S. 155-169.

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