Beziehungswissenschaft.Ein Versuch zur volkskundlich-kulturwissenschaftlichen
Epistemologie
Jens Wietschorke
Der Beitrag diskutiert einige epistemologische Grund-fragen der Volkskunde/ Europäischen Ethnologie: Wiewerden im Fach die kleinen Wirklichkeitsausschnittemit den sozialen Strukturen zusammengedacht? Wasbedeutet es, ein kulturelles Phänomen zu>> kontextu-alisieren«<? Und welche Möglichkeiten gibt es, die Ka-tegorien Kultur und Gesellschaft heuristisch sinnvollaufeinander zu beziehen? Abschließend wird für einevolkskundliche Kulturanalyse als» Beziehungswissen-schaft«< plädiert, die Differenzen und Relationen in denBlick nimmt und sich gleichzeitig als transdisziplinäreSchnittstelle begreift.
Die transdisziplinäre Disziplin: Positionierungeneines kleinen Faches
Es gibt wohl wenige kultur- oder sozialwissenschaftliche Diszip-linen, die eine vergleichbar starke Tradition der Selbstthematisierungaufzuweisen haben wie die Volkskunde/ Europäische Ethnologie. An-gesichts dieses personell und institutionell vergleichsweise kleinenFaches erstaunt die überaus stattliche Reihe der Programmschriften,Standortbestimmungen und Fachdebattentexte, die in den letzten Jahr-zehnten erschienen sind darunter auch Sammelbände, die ihrerseitswieder einen Überblick über die bis dato vorliegenden programmati-schen Texte vermitteln wie etwa die Handbücher von Gerhard Lutz