Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4

Dass dieses Objekt mit der dialektal gereimten, also informellgehaltenen, gewollt auf die Situation in Vorarlberg abzielenden undeben auch polarisierenden Botschaft in die Sammlungen des ÖMVEingang gefunden hat, verdankt das Museum seiner aktuellen Lei-tung. Margot Schindler war es, die die Verfasserin zum Erwerb einessolchen Buttons für die hauseigenen Sammlungen animiert hat. Dasgesellschaftspolitisch aufgeladene, nun musealisierte Ding von kleinerGröße verweist damit nicht nur in das westlichste Bundesland Öster-reichs und kann als Reaktion auf herrschende Normen und Wertvor-stellungen verstanden werden ist somit also Teil eines regionalenpolitischen Aushandlungsprozesses-, mit ihm lassen sich auch ak-tuelle Orientierungen des Volkskundemuseums in Wien verbinden:Zahlreiche Themen, für die Margot Schindler als Direktorin steht,haben auch politische Relevanz. Das Interesse etwa an einer Aufarbei-tung der eigenen Institution während der Zeit des Austrofaschismus,des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Jahre danach, eineAusstellung zur Geschichte des 1. Mai oder eben zum InternationalenFrauentag bezeugen diese ihre Interessenslagen.

Im Oktober 2012, im Rahmen der Langen Nacht der Museen, prä-sentierte das Museum den Button aus Vorarlberg in einer eigenen Vi-trine. Das Objekt rief Interesse, vielfach Schmunzeln und Sympathiemit den Akteurinnen des Frauentages hervor und nur selten verständ-nisloses Kopfschütteln. Ob befürwortend oder ablehnend der But-ton mit seinen 25 Millimetern Durchmesser und 1,5 Gramm Gewichthat, dies bewies dieser Abend, Potential, Gespräche und Diskussionenüber Rollenbilder, Frauenbewegungen oder Gleichbehandlungspoli-tik, aber auch über Regionalbewusstsein, über Relationen zwischenWest und Ost bzw. Peripherie und Zentrum zu eröffnen. Das Objekt,nun musealisiert, ist ein Zeugnis zeitgenössischer politischer Protest-bzw. Streitkultur regionaler Varietät. In der musealen Vitrine hat esan Sendungskraft nur wenig eingebüẞt.

Birgit Johler