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115 (2012) / N.S. 66
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Geburtstag

Reliktsammlung vergangener kultureller Praktiken gesammelt wurde,weitgehend abhanden gekommen.

Das Bedürfnis, der Bedeutung dieses im Jahr 1913 in die Samm-lungen des Wiener Museums gelangten Konvoluts in seiner Her-kunftsregion nachzuspüren, war zu einer Voraussetzung für dieweitere Beschäftigung mit den vorhanden Objekten geworden. DieKolleginnen aus den volkskundlich- historischen Museen in Bilbaound Bayonne stellten sich für eine Erkundung des Sammlungsgebieteszur Verfügung. Am 24. August 2008 begann eine zweiwöchige Reisean ausgewählte Orte entlang der Reiseroute Trebitschs, der seine ei-gene fast zweimonatige Reise in groben Zügen sowohl hinsichtlichder Etappen als auch der Objekterwerbungen dokumentierte. DieserUmstand bot Gelegenheit für einen kuratorischen Versuch: Die Rei-senden brachten zwei Objekte aus der Wiener Sammlung mit: einenHolzschwimmer( Oitschia) und einen gravierten» Hirtenbecher<<, sodie Inventarbezeichnung, aus Rinderhorn.

Beim Holzschwimmer handelt es sich um eine runde, durchbrochengearbeitete Holzscheibe mit einem plastisch geschnitzten Hahn in derMitte. Die Holzscheibe schmückt außerdem der ausgesägte Schriftzug>> Fait Ste Engrace«. Der Schwimmer wurde zusammen mit einem zurÖffnung hin konisch zulaufenden, aus Holzdauben und Messingreifengebauten Flüssigkeitsbehälter namens» Fereta«< verwendet. Die Feretawurde am Kopf getragen und der Schwimmer in die passende Öffnungauf die Flüssigkeitsoberfläche gesetzt. Dadurch gelang es, einen größe-ren Flüssigkeitsverlust beim Tragen zu verhindern.

Als sich die Reisenden am 28. August über den Ort Mauléon demWeiler St. Engrace in den Basses Pyrénées näherten, fiel auf, dass>> Fe-retas<< als Ausstattungsdekor in Gaststätten reichlich vorhanden waren.

St. Engrace ist im Inventar des Museums als Herkunftsort desHolzschwimmers angegeben. Daher war für die Reisenden nun derZeitpunkt gekommen, im Refuge dieses Ortes nachzufragen. DemGastwirt wurde Herkunft und Funktion des Schwimmers erklärt, wo-rauf seine Frau eine dekorative Fereta aus der Gaststube holte. EineVorführung der Trageweise des Gefäßes folgte unmittelbar, allein derHolzschwimmer war Wirt und Wirtin unbekannt. Beide zeigten sichjedoch hoch interessiert an diesem Objekt. Ein weiteres Nachfragenbei einem Bauern entlang der Straße nach Iraty brachte ein ähnlichesErgebnis.

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